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Ende.

Ende.

Studieren, ja oder nein? Ist man dafür oder dagegen? Nach mehreren Semestern reflektieren unsere zwei Autorinnen über ihre bisher erlebte Studienzeit und darüber, ob sie sich nochmal für ein Studium entscheiden würden – oder nicht.
Titelbild: Lena Mitterndorfer

Gleich zu Beginn: Ich möchte euch nicht die Vorstellung kaputt machen, dass jetzt die beste Zeit eures Lebens gekommen ist. Wirklich nicht. Ich möchte lediglich darauf hinweisen, dass diese Vorstellung sich auch sehr schnell als eine bloße Illusion entpuppen kann. Fernab von allem, was ihr über das Studieren erzählt bekommen oder in amerikanischen Filmen gesehen habt. So wie bei mir.Es war vor zwei Jahren irgendwann, als ich erfahren habe, dass ich zwei Punkte in meinem Matheabitur habe. Ich war mehr als glücklich, vor allem wegen des Gedankens daran, dass ich endlich nur noch das machen kann, worauf ich Lust habe, in meinem Fall Anglistik und ursprünglich Politikwissenschaften, später dann Kommunikationswissenschaft. Ich schrieb mich an der Uni Bamberg ein, suchte und fand eine Wohnung. Ich konnte es kaum abwarten, mich in das neu gewonnene Studentenleben zu stürzen.

Doch das erste Erwachen ließ nicht lange auf sich warten: die Stundenplanerstellung. Jetzt im fünften Hochschulsemester kommt es mir selbst ziemlich blöd vor, aber ich war schlicht und einfach überfordert mit der Erstellung meines Stundenplans. Gott sei Dank hatte ich meine Hausmitbewohner, die mich vor den schlimmsten Fehlern im Stundenplan bewahrt haben. Rückblickend betrachtet war das aber wahrscheinlich der erste Moment, in dem ich mich fragte, ob Studieren überhaupt das Richtige für mich war, wenn ich offensichtlich nicht einmal fähig war, mir meinen Stundenplan selbst zu erstellen.

Im Verlauf des Semesters wurde mir relativ schnell klar, dass sich dieser Verdacht bestätigen sollte. Ich fand für mich selbst heraus, dass das Prinzip des Studiums nicht das Richtige für mich ist. Es sind viele Theorien, viel Auswendiglernen und für mich mittlerweile vor allem: viel Stress. Klar, man hat super viele Freiheiten, die genieße ich auch, und mein Netflix-Account hätte sich wohl auch in keiner Zeit meines Lebens mehr gelohnt als während des Studiums. Aber es ist eben nicht nur das. Es sind drei Monate voller Arbeit im Studium. Ich bin kein Mensch, der für Theorien und Auswendiglernen lebt, das war ich noch nie. Ich bin nicht für große Klausuren gemacht, ich werde eher für zwei Wochen verrückt.

Was ich sagen will: Studieren ist nicht für jedermann. Ich persönlich muss mir im Nachhinein eingestehen, dass ein Studium nicht das Richtige für mich war. Ich will nicht sagen, dass ihr nicht die beste Zeit eures Lebens haben werdet, ich sage nur, dass ich sie nicht habe. Und dass sich meine Enttäuschung ohne diese amerikanische-College-Film-Erwartung an das Studium wohl in Grenzen gehalten hätte. Nachträglich betrachtet muss ich mir auch eingestehen, dass ich das „Easy-Life-Prinzip“ in den ersten zwei Semestern wirklich ein bisschen zu stark gelebt habe. Es ist leicht sich zu sagen, dass man Dinge morgen macht, die man eigentlich nie machen will. Weniger leicht hingegen ist es, die Dinge dann wirklich morgen zu erledigen. Klar hätte ich mein Studium abbrechen können, aber dafür ist ja auch morgen noch Zeit. Und irgendwann, irgendwann kommt der Morgen, an dem ich meine Bachelorarbeit abgeben werde, um wieder mit von außen geprägten Erwartungen und Vorstellungen in die Fortsetzung meiner persönlichen, amerikanischen Komödie zu starten – diesmal aber fernab von einem Campus.

Den Pro-Studium-Artikel findest du hier.

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