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Durchstarten

Durchstarten

Mit dem Abizeugnis in der Hand gab es nur eine richtige Entscheidung: Durchstarten.
Titelbild: Ludwig Hagelstein

Im Gegensatz zu vielen meiner Altersgenossen, die mit Work-and-Travel für wenig Geld und viel Enthusiasmus die Welt bereisen, nachdem sie ihr Abiturzeugnis erhalten haben, bin ich schnurstracks mit meinem Zeugnis in die Studierendenkanzlei der Otto-Friedrich-Universität Bamberg marschiert und habe mich für ein Studium der Politikwissenschaft eingeschrieben. Und kaum hatte ich das gymnasiale Klassenzimmer verlassen, saß ich im Oktober schon im Hörsaal der Uni. Ich habe diese Entscheidung bis heute nicht bereut.

Seit ich in Bamberg bin habe ich viele Kommilitoninnen und Kommilitonen kennengelernt, die erst nach einer rebellischen Phase der Selbstfindung oder einer Ausbildung den Weg an die Universität gefunden haben. Und das sind alles interessante, bewundernswerte Menschen, die auf ihre Art und Weise unglaublich von den Erfahrungen eines Vollzeitjobs oder Auslandsjahres profitiert haben. Doch es ist nicht nötig, ein halbes Jahr in Neuseeland zu verbringen, um selbstständig und „erwachsen“, was auch immer man sich darunter vorstellt, zu werden, fernab des Elternhauses zu studieren reicht vollkommen. Plötzlich muss man seine Wäsche selbst waschen, eigenverantwortlich die Abgabefristen der Uni einhalten und das Einkaufen und Kochen organisieren, wenn man sich nicht nur von Tiefkühlpizza ernähren möchte. Geht dann doch mal etwas schief, muss man auch selbst die Verantwortung dafür übernehmen, schließlich ist man der Einzige, der etwas daran ändern könnte.
Genau das habe ich alles gelernt, ganz ohne Work-and-Travel oder FÖJ, einfach nur dadurch, mehr als dreihundert Kilometer von zuhause weggezogen zu sein. In Hochschulgruppen Anschluss und neue Freunde zu finden hat mich selbstbewusster und offener im Umgang mit anderen Menschen gemacht und parallel für Klausuren zu lernen und Hausarbeiten zu schreiben hat meine Organisationsfähigkeit erheblich verbessert.

Gerade auf das wissenschaftliche, akademische Arbeiten kann man sich nicht vorbereiten, darin kann man keine Erfahrung durch ein Auslandsjahr sammeln.

Hier gilt Learning-by-Doing und ein 22-Jähriger hat einem 19-Jährigen dabei wenig voraus, wenn sie beide im ersten Semester sind.
Außerdem kann ich mich immer wieder aufs Neue für mein Studium begeistern, ich habe nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben und mit einem Auslandssemester habe ich immer noch gute Möglichkeiten, andere Länder und Kulturen kennenzulernen. Auch unterscheidet sich das Lernen an der Universität deutlich von dem an der Schule, zumindest, wenn man sozial- oder kulturwissenschaftliche Fächer studiert. Die Kompetenzen, die für Hausarbeiten, Referate und andere Projekte erforderlich sind, werden auch im späteren Berufsleben gebraucht. Ich selbst, als Politikwissenschaftsstudent, habe mein Studienfach aus Interesse und nicht wegen der – ohnehin sehr bescheidenen – Berufschancen gewählt und bin mir noch sehr unsicher über meinen späteren Werdegang. Doch obwohl ich sicher kein Karrierist bin, halte ich es für sinnvoll, mir mit dem Studium eine gute Grundlage für die Zukunft zu erarbeiten und gleich durchzustarten.

Was unser Durchatmer dazu sagt, kannst du hier in seinem Gegenkommentar nachlesen.

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