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Ab sofort sind Daten in Gefahr
von Felix Braune | Donnerstag, 20. Dezember 2007

Vielleicht ist es ab jetzt sicherer, im Studivz unter falscher Identität aufzutreten... Quelle: flickr.com//Studenten-Welt.deJeder Studierende kennt es, das Studivz. Und für viele ist es unabkömmlich geworden.

Wer surft nicht gerne einfach im Studivz, sieht sich Bilder an, hinterlässt Pinnwandeinträge oder "gruschelt"? Jetzt bekommt das Studivz neue Geschäftsbedingungen und will die persönlichen Daten seiner User gezielt nutzen.

Persönlich zugeschnittene Werbung 

Kürzlich wurden an alle Benutzer neue veränderte Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) verschickt. Durch diese ist es den Betreibern möglich, die persönlichen, eingetragenen Daten der Nutzer auszuwerten und in großem Umfang Marktforschung zu betreiben. Zwar änderte Studivz die AGB aufgrund der Kritik kürzlich erneut leicht und dementiert den Verkauf von Daten an Dritte, doch gezielte, persönlich zugeschnittene Werbung ist dennoch möglich. Technik für Männer, Kosmetik für Frauen.

Den neuen AGBs muss jeder Studivz-Nutzer bis zum 9. Januar 2008 zustimmen, andernfalls kann man das Portal nicht mehr nutzen. Zwar hat Studivz eine Frist zur entgültigen Entscheidung bis Ende März eingeräumt, doch so lange ist der Account auf Eis gelegt und kann nicht aktiv genutzt werden. Verstreicht auch diese Frist, wird der Account gelöscht.

Wer verliert schon gerne 120 Freunde? 

Somit zwingen die Betreiber von Studivz die Nutzer in eine neue Situation. Doch kaum einer liest dieses elfseitige Behördendeutsch und die Email landet in den meisten Fällen sowieso gleich im Spam-Ordner des E-Mail Accounts. Und auch kaum jemand, der die AGBs liest oder sich darüber informiert, will jetzt noch aus dem Portal austreten. Denn wer verliert schon gerne seine 120 Freunde.

Die größte europäische Kommunikationsplattform für Studierende im Internet, Studivz, zählt zur Zeit etwa 4 Mio. angemeldete User. Und der Trend geht weiter aufwärts. Es ist verständlich, dass diese enorm große Community mit einer so präzisen Zielgruppe für die Wirtschaft interessant ist. Seit dem Erwerb des Studivz durch die Holtzbrinck Verlagsgruppe im Januar 2007 gibt es immer mehr Werbung auf den Seiten der Plattform.

Bald sind alle unsere Daten durchsichtig

Zeitgleich mit dem Beginn der durch die Bundesregierung beschlossenen, umstrittenen Vorratsdatenspeicherung zur Bekämpfung von Verbechern und Terroristen kommt nun die Änderung der AGB durch das Studivz. Wir sind schon bald alle durchsichtig, offene Bücher und jeder der sich über uns informieren will, kennt uns schon, bevor er uns getroffen hat. Was früher eine Utopie war, könnte schon bald Realität werden, wir sind auf dem besten Wege dahin.

Studivz steht in der Kritik, nicht nur Datenschützer argumentieren gegen die Einführung der neuen AGB, auch unter den Studierenden hat sich Unmut gezeigt. Doch was ist das für ein Verhalten im Vergleich zu den guten alten Zeiten, als Studenten noch auf die Straße gingen, Dinge hinterfragt haben, sich wehrten. Der Geist der 68 Generation ist in deutschen Universitäten verflogen. Traurig, aber wahr.

Und wer weiß, ob nicht jetzt schon über jeden von uns ein komplettes Portfolio mit aktuellen, persönlichen Daten auf irgendwelchen Großrechnern existiert?

Nicht jeder sieht personalisierte Werbung so kritisch. Aus Marketing-Sicht sind die neuen AGBs des Studivz eine Win-Win-Situation. 

Bleibt ihr dem Studivz treu oder überlegt ihr, auszutreten? Stimmt rechts im Menü von Ottfried.de ab. 

 

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Zuletzt geändert: Mittwoch, 16. Januar 2008
 
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