eltern_bearbeitetEltern- und Kindergeld   In Deutschland sind Eltern in der Regel verpflichtet, jedem ihrer Kinder eine berufsqualifizierende Ausbildung zu finanzieren. Jeder Studierende hat einen gesetzlichen Anspruch auf einen angemessenen Unterhalt, durch den die Lebenshaltungskosten und die Kosten des Erststudiums gedeckt werden. Nach der Düsseldorfer Tabelle sind das 670 Euro im Monat, wenn man nicht mehr zu Hause wohnt. Eventuell anfallende Kosten durch Studienbeiträge oder Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sind darin allerdings noch nicht enthalten. Diese müssen zusätzlich zum Grundunterhalt von den Eltern gezahlt werden.
Sind die Eltern aufgrund eines zu niedrigen Einkommens nicht in der Lage, den Unterhalt zu zahlen, besteht Anspruch auf (anteilige) Ausbildungsförderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG). Welchen Anteil die Eltern zahlen müssen und ab wann sie völlig von ihren Unterhaltsverpflichtungen befreit sind, ist ebenfalls der Düsseldorfer Tabelle zu entnehmen. Jeder Elternteil hat nach deren Maßgabe einen monatlichen Eigenbedarf von 1200 Euro netto. Nur was darüber liegt, muss an das studierende Kind abgeführt werden, sofern nicht noch minderjährige Geschwister zu versorgen sind.
Man darf jedoch nur so lang Geld für das eigene Studium von den Eltern verlangen, wie man die durchschnittliche Studiendauer nicht deutlich überschreitet. Wie lange das ist, ist nicht eindeutig festgelegt und stets eine Einzelfallentscheidung, da die Regelstudienzeit nicht den Maßstab für den Zeitraum der Unterhaltspflicht darstellt. So besteht der Unterhaltsanspruch auch dann weiter, wenn man bis zum Ende des zweiten oder dritten Semesters erkennt, das falsche Fach gewählt zu haben, und daraufhin die Fachrichtung wechselt. Zudem darf man sich über die Regelstudienzeit hinaus zusätzlich Zeit zur Prüfungsvorbereitung oder für die Abschlussarbeit nehmen.
Sollten sich die Eltern trotz eines ausreichend hohen Einkommens weigern, den Studienwunsch ihres Kindes finanziell zu unterstützen, besteht grundsätzlich die Möglichkeit, den Unterhalt vor Gericht einzuklagen. Für diesen Fall kann man sich kostenlos von der Rechtsberatung des Studentenwerkes Hilfe holen.
Eine weitere Option, sich den zustehenden Unterhalt zu beschaffen, bietet die Regelung zur sogenannten Abzweigung des Kindergeldes. Dieses steht bis zum 25. Geburtstag des Kindes eigentlich der Familie zu, es wird jedoch voll auf den monatlichen Anspruch eines Studierenden von 670 Euro angerechnet. Zahlen die Eltern keinen oder nur sehr wenig Unterhalt, kann man die Auszahlung der 184 Euro pro Monat an sich selbst beantragen.
Hat man gesetzlichen Zivil- oder Grundwehrdienst geleistet oder als Entwicklungshelfer gearbeitet, verlängert sich der Anspruch auf Kindergeld um den Zeitraum des Dienstes über den 25. Geburtstag hinaus, da während des Dienstes kein Anspruch bestand.
Für anerkannten Freiwilligendienst, den es seit der Aussetzung der gesetzlichen Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 gibt, gelten hingegen andere Regeln: Während man ein Freiwilliges soziales Jahr, ein Freiwilliges ökologisches Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst ableistet, besteht Anspruch auf Kindergeld – nicht jedoch wenn man freiwilligen Wehrdienst leistet.
Früher wurde das Kindergeld übrigens nur gezahlt, wenn das studierende Kind jährlich nicht mehr als 8.004 Euro Einnahmen hatte. Seit 2012 ist diese Einkommensgrenze weggefallen.

Nebenjobs   Das Studium gilt als Vollzeittätigkeit und daher besteht keine generelle Verpflichtung, mit einem Nebenjob selbst zum Unterhalt beizutragen. Dennoch arbeiten etwa zwei Drittel aller Studierenden durchschnittlich 14 Stunden pro Woche neben dem Studium. Dabei steigen beide Zahlen mit zunehmendem Studienfortschritt deutlich an. Üblich sind sozialversicherungsfreie Jobs, bei denen man bis zu 450 Euro verdienen kann. Die BAföG-Ansprüche bleiben aber nur bis zu jährlichen Einnahmen von 4.880 Euro in voller Höhe erhalten. Dieser Freibetrag kann jedoch durch die Anrechnung von Werbungskosten gesteigert werden. Darüber hinaus bietet sich eine Tätigkeit als Werkstudent an. Auf diese Weise können Studierende bis zu 20 Stunden pro Woche arbeiten und sind von allen Versicherungspflichten außer der Rentenversicherungspflicht ausgenommen.

bafögBAföG   Grundsätzlich haben Studierende Anspruch auf finanzielle Unterstützung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG). Das gilt jedoch nur, wenn die Eltern selbst nicht genug Einkommen haben, um den gesamten von der Düsseldorfer Tabelle vorgesehenen Unterhalt von 670 Euro pro Monat an das studierende Kind zu zahlen. Zudem darf der Antragsteller nur bis zu 4.880 Euro brutto in einem Bewilligungszeitraum von 12 Monaten hinzu verdienen und maximal 5.200 Euro Eigenvermögen haben. Das Vermögen der Eltern bleibt hingegen unbeachtet.
Die Höhe der Ausbildungsförderung ist abhängig von der Höhe des Einkommens der Eltern und deren Unterhaltsverpflichtung gegenüber weiteren Kindern gestaffelt. Haben beide Elternteile jeweils weniger als 1200 Euro netto im Monat zur Verfügung, gibt es für ein studierendes Einzelkind den Höchstsatz von monatlich 670 Euro (495 Euro, wenn es noch bei den Eltern wohnt). Weitere Sozialleistungen, wie zum Beispiel Wohngeld, sind in der Regel nicht für Studierende vorgesehen. BAföG-Empfänger können sich indes von der GEZ-Gebühr befreien lassen, nicht jedoch die gesamte Wohngemeinschaft, sofern man in einer wohnt. Erhält nur ein Mitbewohner keine Förderung, muss dieser die Gebühr für die Wohnung entrichten.
Das BAföG besteht zur Hälfte aus einem zinslosen Darlehen, dessen Rückzahlung normalerweise fünf Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer beginnt (bei B.A./M.A. gilt der Bachelor) und in Raten von mindestens 315 Euro im Vierteljahr erfolgt. Ist man finanziell nicht in der Lage, das Darlehen zurückzuzahlen, kann man Aufschübe von jeweils einem Jahr beantragen. Der zurückzuzahlende Betrag ist auf 10.000 Euro begrenzt, sofern man das Studium nicht vor dem 01.03.2001 aufgenommen hat. So können im Idealfall bei 670 Euro Förderungshöchstsatz und zehn Semestern Förderungshöchstdauer drei Viertel des ausgezahlten BAföG “geschenkt” sein. Wer den gesamten Darlehensanteil mit einem Mal begleicht, kann unter Umständen durch einen Antrag auf Nachlass viel Geld einsparen.
Auch für ein Masterstudium kann man Ausbildungsförderung beziehen, allerdings nur dann, wenn man zuvor lediglich einen Bachelor in der gleichen Fachrichtung erworben hat.
Für den BAföG-Antrag sollte sehr genau recherchiert und keinesfalls falsche Angaben gemacht werden. Besitzt man ein höheres Eigenvermögen als die erlaubten 5.200 Euro oder hat man ein zu hohes Einkommen, sollte dies dem Studentenwerk mitgeteilt werden. Wird ein Betrug aufgedeckt, kann das schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen, wie zum Beispiel Geldbußen, Ausschluss vom Staatsdienst und sogar Vorstrafen.

 Hier kannst du selbst errechnen, ob und auf wie viel BAföG du Anspruch hast.

Hier kannst du errechnen, wie viel du zurückzahlen musst

Stipendien   Lediglich drei Prozent aller Studierenden in Deutschland empfingen laut Sozialerhebung 2009 ein Stipendium. Im Mittelwert lagen die Bezüge bei 200 Euro, die auf den Unterhaltsanspruch voll angerechnet werden. Außerdem sind Stipendiaten der Begabtenförderungswerke grundsätzlich vom BAföG-Bezug ausgeschlossen. Wer von den Ländern als wissenschaftlicher oder künstlerischer Nachwuchs gefördert wird, kann bei einem Stipendium von bis zu 300 Euro im Monat dennoch BAföG erhalten. Zusätzlich zur finanziellen Unterstützung enthalten viele Stipendien eine ideelle Förderung, also beispielsweise Seminare oder eine individuelle Betreuung.
Neben einer großen Zahl privater Anbieter offeriert auch der Staat verschiedene Stipendienprogramme. Insbesondere durch das Deutschlandstipendium, das seit 2011 angeboten wird, soll der Prozentsatz der Stipendiaten deutlich erhöht werden. In den ersten beiden Jahren wurden von den teilnehmenden Universitäten, zu denen auch die Universität Bamberg zählt, allerdings bei Weitem nicht alle Mittel ausgeschöpft, wodurch die Zielsetzung bisher verfehlt wurde. Die Förderung von 300 Euro pro Monat erhielten 2012 nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung nur 11.000 Studierende in Deutschland. Erst bei der doppelten Zahl wäre die anvisierte Förderungsquote von einem Prozent erreicht worden.
Viele Studierende werden von einem Stipendium abgeschreckt, da sie der Meinung sind, dass für Stipendien herausragende Noten benötigt werden. Dies ist aber tatsächlich nicht immer der Fall, da viele Stipendien auch nach Bedürftigkeit, bestimmten Forschungsgebieten oder sozialem Engagement vergeben werden.

Wie ihr euch für ein Stipendium bewerbt, haben wir für euch hier zusammen gefasst.

Einen Überblick über verschiedene Stipendien bieten stipendienlotse.de und mystipendium.de.

Studienkredite   Eine seltener genutzte Art der Studienfinanzierung stellen Studienkredite dar. Insgesamt wurden 2011 laut CHE Ranking etwas weniger als 50.000 Kreditverträge abgeschlossen, womit etwa zwei Prozent aller Studierenden in Deutschland abgedeckt sind. Zu beachten ist allerdings, dass in dieser Zahl bereits laufende Verträge nicht enthalten sind. Dabei entfielen 92,3 Prozent aller Kredite auf Angebote des Staates, namentlich den KfW-Studienkredit, den Bildungskredit und Studienbeitragsdarlehen. Die restlichen 7,7 Prozent entfallen auf nichtstaatliche Anbieter, von denen die Studentenwerke den größten Marktanteil haben.
Allgemein ist zwischen klassischen Krediten und Bildungsfonds-Konzepten zu unterscheiden. Bildungsfonds stehen nur ausgewählten Studierenden zur Verfügung, da dabei Anleger in den Kreditempfänger, der nach dem Studium einen bestimmten Prozentsatz seines Einkommens zurückzahlt, investieren. Besonderer Wert wird bei der Auswahl üblicherweise auf einen stimmigen Lebenslauf gelegt.
Stellvertretend für die klassischen Kredite sei an dieser Stelle der KfW-Studienkredit erläutert, der mit Abstand am häufigsten genutzt wird. Bei diesem bekommt man bis zu vierzehn Semester lang monatlich maximal 650 Euro ausgezahlt, von denen durchschnittlich 490 Euro in Anspruch genommen werden. Nach Abschluss des Studiums muss das Darlehen mit einem Jahreszinssatz von derzeit 3,28 Prozent zurückgezahlt werden. Dabei darf die Rückzahlungsdauer 25 Jahre nicht überschreiten. Sicherheiten verlangt die KfW nicht, aber man muss seinen Studienfortschritt nachweisen.
Auslandssemester werden bei diesem Kredit nicht gefördert.
Wesentlich weniger Zinsen verlangen die Anbieter sogenannter Abschlussdarlehen, Studentenwerke bieten sie teilweise sogar zinslos an. Diese Art der Kredite ist aber nur zur relativ kurzfristigen Überbrückung gedacht und erfordert normalerweise Sicherheiten.
Allen Angeboten gemein ist der Nachteil, dass die Nutzer nach dem Studium mit oft fünfstelligen Schuldenbergen ins Berufsleben starten.

Ob Studierende wirklich an der Armutsgrenze leben, kannst du hier lesen.

Zeichnungen: David Pistorius