Fairer Lohn statt Lohn mit Hohn
„So macht Kino keinen Spaß. CineStar wir haben ein Problem”, steht auf dem Banner vor dem Atrium. Die Beschäftigten des CineStars Bamberg streiken, unter ihnen sind viele Studierende: Sie fordern eine Bezahlung nach Tarifvertrag.
Das Banner flattert vor dem Einkaufszentrums Atrium im Wind. Nach und nach sind fast alle Geschäfte aus dem gespenstisch leeren Gebäudekomplex ausgezogen – nicht aber das große Kino CineStar mit seinen acht Sälen. Es ist ein wichtiger Arbeitgeber für studentische Nebenjobber; die Zahl der Angestellten, die auf 400-Euro-Basis bezahlt werden, beläuft sich laut Streikleiter Christian Euler auf rund 45 Personen – alles Studierende oder Auszubildende. Sie fordern mindestens 8,50 Euro pro Stunde und bessere Arbeitsbedingungen.
Student Patrik Rohrmann nimmt an dem von der Gewerkschaft Verdi genehmigten Streik teil. Seine Meinung: „Der Zentrale in Lübeck fehlt jeglicher Sinn von Realitätsbezug.” Preise für Tickets, Popcorn und Cola würden sich regelmäßig erhöhen, während der Mitarbeiterlohn jedoch auf einem Niveau stagniere, das deutlich unter dem anderer Kinounternehmen Deutschlands liege. „Das sind fast 70 Stunden, die wir neben Studium oder Beruf arbeiten müssen, um auf 400 Euro zu kommen“, erklärt Patrik. Auch erwähnt er zeitliche Probleme, die durch die Doppelbelastung Studium und Arbeit entstehen. So sei er nach einer Nachtschicht im Kino schon mal unausgeschlafen und fühle sich nicht ausreichend auf die Uni-Veranstaltungen am nächsten Tag vorbereitet. Im Falle einer Lohnerhöhung würden für Patrik allein 15 Arbeitsstunden weniger pro Monat eine zeitliche Entlastung bedeuten.
Fast alle 400-Euro-Jobber sind Studierende
Eine junge Auszubildende, der die Arbeit eigentlich Spaß macht, äußerte sich ähnlich: „Die Relation ist einfach nur unfair, wenn man bedenkt, wie viel Geld die Leute im Kino lassen und wie wenig wir davon bekommen.“ Sie findet es nicht nur wichtig, für die eigenen Rechte zu kämpfen, sondern denkt auch an kommende Generationen: „Es sind ja überwiegend Studierende, die zum Arbeiten zu uns kommen, die sollen auch was von unserem Streik haben.“
Im Streikfall ersetzten Leiharbeiter, sogenannte „Streikbrecher“, die Ausfälle der Beschäftigten – und werden dabei auch noch besser bezahlt. Student Patrik Rohrmann sagt, es sei selbstverständlich, dass es frustriere, wenn der Arbeitgeber pro Leiharbeiter 16,50 Euro an die Leiharbeitsfirma zahle – und dabei aufgrund mangelnder Erfahrung nicht einmal dieselbe Arbeitsqualität gewährleistet.
„Wir wissen also: Es ist dem Arbeitgeber möglich mehr zu bezahlen, als wir im Moment kriegen“, sagt Streikleiterin Carina Engel, ebenfalls Mitglied der Tarifkommission. Zudem bemängelt sie, dass langjährige Mitarbeiter keine besondere Wertschätzung erfahren: „Egal ob jemand dort seit zwei Tagen arbeitet oder aber seit zehn Jahren, es ist keine Steigerung möglich.” Vor gut einem Jahr wurde der Stundenlohn um 40 Cent, von 5,90 auf 6,30 Euro, angehoben. Die minimale Erhöhung schien für die Mitarbeiter aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein zu sein, sonst würden sie jetzt nicht streiken müssen.
Verbesserte Arbeitsbedingungen durch Betriebsrat
Im Bamberger Kino selbst hat sich das Arbeitsklima seit einem guten Jahr bereits deutlich gebessert. So konnte der gegründete Betriebsrat bewirken, dass die Manko-Regelung abgeschafft wurde: Zuvor hatte man Verluste in den Kassen bisher aus eigener Tasche ausgleichen müssen. Auch gibt es nun einen Anspruch auf Urlaubsgeld und Lohnfortzahlung im Krankheitsausfall. Zwischen den Vorstellungsrunden wischt mittlerweile eine Putzkraft die Räumlichkeiten der Toiletten, was vorher auch Aufgabe der Mitarbeiter gewesen ist.
Der Filmvorführer Christian Euler, Tarifkommissionsmitglied und Streikführer, verkündet der Gruppe von Streikenden eine positive Neuigkeit: Weitere 42 Streiktage sind von Verdi offiziell genehmigt worden. Das bedeutet, an diesen Tagen erhalten die Streikenden von Verdi ein Streikgeld, das zirka 75 Prozent des Stundenlohns entspricht.
Eines steht fest: Der Streik wird nicht nur fortgesetzt, sondern er hat gerade erst angefangen.