„Zwischen Phantasie und Realität“

Nicolas Palme (25) ist der Producer des Kurzfilms „Der Besuch“, der diesen Samstag zum besten Animationsfilm auf den Bamberger Kurzfilmtagen gekürt werden könnte. Wir sprachen mit ihm über die Thematik des Kurzfilms und die Herausforderungen beim Dreh.

Ottfried: Nicolas, du studierst an der Filmakademie Baden-Württemberg, so was wie eine Uni für Filmemacher. Wie läuft denn der Unterricht auf einer Filmschule so ab?

Nicolas Palme: Also erstmal: Wir schreiben nur in den ersten zwei Jahren Klausuren, und die sind auch nur zum Ankreuzen. Es ist halt ein sehr praktisches Studium. Du machst wirklich vom ersten Tag an eigene Projekte.

Eines dieser Projekte ist euer Kurzfilm, „Der Besuch“, der für den Bamberger Reiter als bester Animationsfilm nominiert wurde. Kannst du kurz erzählen, worum es darin geht?

Es geht um eine alte Dame, die mitten in der Nacht ihren Sohn zur Hilfe ruft, weil sie den Herd nicht mehr aus kriegt. Der Sohn kommt dann vorbei und ist bestürzt darüber, wie verwirrt seine Mutter ist. Das Ganze eskaliert, als seine Mutter ihm sagt, dass sie mitten in der Nacht Gäste erwartet – alte Freunde, die aber eigentlich schon längst tot sind. Es geht darum: Was passiert eigentlich, wenn alte Leute nicht mehr zwischen Phantasie und Realität unterscheiden können?

Ist die alte Frau dement?

Das wird in dem Film nicht wirklich so gesagt, das war uns auch wichtig. Der Film ist nämlich ein bisschen autobiographisch: Die Großmutter des Regisseurs Conrad Tambour ist auch demenzkrank.

Was wollt ihr mit dem Film beim Zuschauer erreichen?

Wir möchten, dass die Zuschauer über die Alterung in der Gesellschaft nachdenken. Demenzfälle gibt es mittlerweile ja in fast jeder Familie. Und es gibt natürlich verschiedene Arten, wie man damit umgehen kann. Entweder man wird sauer und genervt, oder man lässt den Demenzkranken in seiner Welt, in der er ja eigentlich glücklich ist.

Was war die größte Herausforderung bei der Produktion?

„Der Besuch“ ist an der Filmschule das Abschlussprojekt unseres Regisseurs. Der kommt eigentlich aus Österreich und es war uns wichtig, die Rollen von österreichischen Schauspielern sprechen zu lassen. Das war schon eine Herausforderung zu gucken, wen man dafür nehmen kann. Wir hatten Glück und konnten sehr bekannte österreichische Schauspieler engagieren, zum Beispiel Erni Mangold, die die Mutter spricht. Und wir haben 2008 mit dem Film angefangen, er ist aber erst im Sommer 2011 fertig geworden. Das hat so lange gedauert, weil ein Animationsfilm technisch sehr anspruchsvoll ist.

Wie wird ein Animationsfilm denn produziert?

Erst hat man die Geschichte und das Drehbuch muss dann in Bilder umgesetzt werden. Die Figuren selbst werden erstmal am Computer modelliert, so, als würde man sie aus Knete machen. Wenn das alles fertig ist gibt es eine Vorab-Version, auf der sich die Figuren noch nicht bewegen. Damit geht man dann zu den Schauspielern und lässt die die Figuren einsprechen. Die geben dem Film also quasi Leben ein. Letztendlich animiert man dann zu den Stimmen. Da ist es das Wichtigste, dass die Lippenbewegungen wirklich passen.

Verdient ihr auch was an dem Film?

Wir dürfen natürlich die Preisgelder behalten und wenn die Filme verkauft werden, dann wird das geteilt: Die Hälfte bekommt die Filmschule, die andere Hälfte bekommen wir. Das Geld geht größtenteils in neue Projekte. Conrad, der Regisseur, arbeitet zum Beispiel inzwischen in Berlin an einer eigenen Fernsehserie. Und ich werde meinen Anteil in mein Diplomprojekt investieren.

Wie schätzt du eure Chancen ein, den Bamberger Reiter mit nach Hause zu nehmen?

Ich habe das Programm erst kurz überflogen. Aber als ich 2009 das letzte Mal hier war, da waren sehr gute Filme da. Der Preis ist ja ein Jurypreis, das heißt im Endeffekt ist das ja immer eine subjektive Entscheidung. Wir haben mit „Der Besuch“ aber oft gute Chancen beim Publikumspreis, weil der Film so ein bisschen knuffelig ist, auf der anderen Seite aber auch jeder die Thematik kennt. Das kommt immer gut an.

Und werden wir dich auf den nächsten Kurzfilmtagen wiedersehen?

Hoffentlich. Derzeit habe ich zwar noch kein Kurzfilmprojekt am Laufen, aber man weiß ja nie.

Vielen Dank für das Gespräch.

„Der Besuch“ lief bisher auf rund 20 Filmfestivals und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem „Hamburg Animation Award“. Wer ihn auf den Bamberger Kurzfilmtagen verpasst hat, kann sich über die Website www. neuer-trickfilm.at mit den Filmemachern in Verbindung setzen und die DVD bestellen. Den Trailer zum Kurzfilm gibt’s hier: http://www.youtube.com/watch?v=2n5-9jfot6I&feature=g-upl&context=G25e044fAUAAAAAAAAAA

Facebook-Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>