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Vorgespielt: Die Räuber

Vorgespielt: Die Räuber

Von Kain und Abel bis Adolf und Rudolf Dassler. Der Streit zwischen zwei Brüdern zieht sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte. Immer steht das Streben nach Macht und Anerkennung im Vordergrund. So auch in Schillers Erstlingsdrama „Die Räuber“, das am Samstag, 10.März, im E.T.A. Hoffmann Theater Bamberg Premiere feierte.
Foto: Martin Kaufhold

Es ist die Geschichte der Brüder Karl und Franz Moor, die am Samstagabend auf der Großen Bühne des E.T.A. Hoffmann Theaters gezeigt wird. Franz, der jüngere von beiden, fühlt sich vom Vater, dem reichen Moor, der seinen älteren Sohn Karl bevorzugt, vernachlässigt und missverstanden. Als Zweitgeborener wird er auch kein reiches Erbe antreten und beschließt daraufhin, das Band zwischen dem Vater und dem erstgeborenen Sohn zu entzweien. Franz hintergeht Vater und Bruder und lässt es so aussehen, als wäre Karl in einer Schlacht gefallen. Karl wiederum nimmt an, sein Vater habe ihn verstoßen, wendet sich von diesem ab und ernennt sich selbst zum Hauptmann einer Räuberbande. Am Ende stürzt Franz durch seinen Hinterhalt nicht nur sich selbst ins Verderben.

Stehst du mit dem Himmel oder der Hölle im Bündnis?“

Die tragischste Figur in Friedrich Schillers 1782 uraufgeführtem Drama ist sicherlich Räuberhauptmann Karl Moor (gespielt von Daniel Seniuk). Verraten von der Familie und auch von den vermeintlichen Räuberfreunden, ist er immer auf der Suche nach Freiheit, Unabhängigkeit und seinen Sinn für Gerechtigkeit. Immer wieder scheint er diesen Gerechtigkeitssinn zu verlieren und wiederzufinden.

Regisseur Robert Teufel inszeniert Schiller ganz klassisch. Der Fokus liegt auf der Sprache des Stücks, Interaktionen zwischen den Schauspielern finden eher selten statt. Zeitweise erinnert die Inszenierung sogar stark an ein Hörspiel. Trotzdem harmonieren die Schauspieler, insbesondere die Räuberbande, sehr gut miteinander.

Ich bin ein Weib, aber ein rasendes Weib!“

Hervorzuheben ist die schauspielerische Leistung von Bertram Maxim Gärtner, der Franz Moor allein durch seine Sprache in langen Monologen Leben einhaucht. Und dann ist da noch die junge Gräfin Amalia, gespielt von Anna Döing, die Karl Moor versprochen ist. Anna Döings Schauspiel hebt sie aus der Masse der Männer hervor. Amalia wirkt stark, beinahe schon emanzipiert und sie weiß sich in dieser Welt der Männer zu behaupten.

Untermauert und eingeläutet werden die einzelnen Szenen durch donnernde Kanonenschläge. Bis auf die bunte Kleidung von Amalia sind alle Schauspieler einheitlich in eher tristen Farben gekleidet. Ebenso schlicht ist das Bühnenbild, bestehend aus drei grauen Wänden.

Foto: Martin Kaufhold

Es ist eine Geschichte um Macht und Gerechtigkeit in fünf Akten. Was ist richtig, was ist falsch, was ist Moral? Wie Robin Hood möchte Karl Moor für eine gerechtere Gesellschaftsordnung und gegen Ungerechtigkeiten ankämpfen – allen voran gegen das spießige Bürgertum. Doch damit stößt er auf Seiten der wahllos mordenden und brandschätzenden Räuber auf Widerstand. Schon bald muss er sich fragen, wie weit er für sein Bild der idealistischen Freiheit gehen will.

Trotz eines im Gegensatz zur Schriftfassung Schillers leicht abgewandelten Endes, dass das weitere Schicksal der Figuren offenlässt, ist die dreistündige Inszenierung durchaus sehenswert. Symbolisch schließen sich die Wände des Bühnenbilds am Ende. Eine Situation ohne Ausweg für einige Figuren des Dramas. Eine Aufführung mit vielen Facetten und schillernd wie Schiller.

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