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Vorgespielt: Antigone

Vorgespielt: Antigone

Die Antigone. Ein öder und überholter Klassiker? Nein, nicht in Bamberg. Hier erwartet den Besucher ein modern inszeniertes Stück, das die Frage nach Gerechtigkeit neu aufwirft und expressiv und lebendig zum Ausdruck bringt. Das ETA Hoffmann Theater Bamberg bringt mit Antigone eines der meistgespielten antiken Dramen auf die Bühne und damit ein zeitloses Thema, nämlich das Recht des Staates und das Recht des Einzelnen. Was gilt im Zweifelsfall – religiöses oder staatliches Recht? Gesetz oder Moral?
Foto: Martin Kaufhold

Der Prolog des Teiresias’, ein blinder Prophet, leitet das Theaterstück ein. Er spricht über die Entstehung der Zeit und des Menschen, schwärmt zunächst über dessen Kunstfertigkeit und Einzigartigkeit bis plötzlich klar wird, dass auch Schuld und Grausamkeit zum Menschen dazugehören. Damit schlägt er auch gleich eine Brücke zum Schauplatz des Dramas: Theben im antiken Griechenland. Es wird von König Ödipus erzählt, der nach seinem Tod seinen beiden Söhnen den Thron überlässt, welche im Wechsel regieren sollen. Als Eteokles sich jedoch weigert seinem Bruder Polyneikes den Thron zu überlassen, beharrt dieser auf sein Recht und greift die Stadt an. Beide Brüder sterben im Kampf und Polyneikes gilt als Verräter, dem ein Begräbnis verweigert wird. Antigone, Ödipus’ Tochter, kann und will dies nicht akzeptieren. Sie beschließt ihren Bruder Polyneikes doch zu begraben und stellt somit ihre eigene Überzeugung über die Gesetze des König Kreons.

Antigone gespielt von Anna Döing (links) und König Kreon gespielt von Pascal Riedel (rechts). Foto: Martin Kaufhold
Antigone gespielt von Anna Döing (links) und König Kreon gespielt von Pascal Riedel (rechts).
Foto: Martin Kaufhold

Trotz des modernisierten Bühnenbildes, bestehend aus einer großen, blutverschmierten Festtafel mit einem prächtigen Blumenbouquet darauf, dem vielen Nebel in der Luft, dem ganzen Staub auf dem Boden, und der modernen, musikalischen Untermalung, bleibt das Drama antikisierend. Der Text besteht aus vielen, ausdrucksstarken Monologen und Dialogen und im Fokus steht immer die Frage: „Was ist gerecht?“. Anstelle von griechischen Roben tragen die Schauspieler Fellmäntel, die an Tiere erinnern, was das Stück zunächst skurril und modern wirken lässt und gleichzeitig Spielraum für Interpretationen eröffnet.

Am Ende des Stückes gibt es noch ein kleines Special: Der Raum öffnet sich und lässt somit Fiktion und Realität eins werden. Denn was ist schließlich realer als die Frage nach Recht und Gerechtigkeit? Falls ihr neugierig geworden seid auf die neu inszenierte Welt der Antigone, könnt ihr noch bis Ende Juni die Vorstellungen des ETA Theaters Bamberg besuchen. Denn die Debatte um das Wesen des Menschen könnte aktueller und zeitloser nicht sein.

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