Verstörende Schlammwüste
Barbusige Hexen, masturbierende Hauptdarsteller und Schlammschlachten auf der Bühne: Macbeth feierte am Samstagabend im E.T.A.-Hoffmann-Theater Premiere.
Es ist dunkel im Zuschauerraum. Düstere Schreie auf der Bühne. Macbeth wälzt sich im Schlamm, während die Hexen ihm seine Königskrönung im Schottland des 11. Jahrhunderts prophezeien. Verführt von der Macht, schreibt er einen Brief an seine Frau. Diese fängt an, die Fäden im Hintergrund zu spannen und stellt dem König gemeinsam mit ihrem Ehemann eine tödliche Falle. Doch das Zepter bringt Macbeths Familie nicht Macht und Ruhm, sondern stürzt das Königspaar in den Wahnsinn.
Die Inszenierung des E.T.A.-Hoffmann-Theaters ist eine publikumsgerechte, gekürzte Version des Originalwerks, die rund zweieinhalb Stunden dauert. Die umgangssprachliche, teils vulgäre Wortwahl zwischen shakespeareschen Originalzitaten versetzt das Stück auf sprachlicher Ebene in das 21. Jahrhundert. Auch die Bühnenausstattung ist spartanisch-modern: Ein Halbkreis von Holzlatten fungiert gleichzeitig als Wald und Burg. Der Boden ist matschig; Macbeth belädt sich nicht nur mit moralischer Schuld, sondern wird auch von Minute zu Minute dreckiger. Das gefällt nicht nur optisch, sondern unterstreicht auch die Wandlung des Stücks.
Macbeth wird zunächst als echter Feigling dargestellt, der sexuell von seiner Frau dominiert wird. Seine unterdrückte Sexualität wandelt sich später in Aggression, da er mit seiner Schuld nicht umgehen kann. Während in Shakespeares Originalfassung eher Machtgier und Blutrünstigkeit thematisiert werden, stehen in dieser Inszenierung sexuelle Machtspiele im Vordergrund. Eine Auftragsmörderin wird zum Beispiel als Hartz-IV-Empfängerin in Jogginghose dargestellt, die Macbeth einen Blow-Job geben muss, bevor es an die Arbeit geht.
Vor allem stechen die Hexen hervor, die barbusig mit halboffenen schwarzen Blazern orakeln und Macbeth mit zweideutigen Vorhersagen den Verstand rauben. Das Kostüm der Oberhexe überzeugt mit Klauen, die ihr als Geweih aus der weißen Maske wachsen.
Das Stück ist verstörend und zwingt zum Nachdenken. Ein Besuch lohnt sich für kunstinteressierte Studierende, die chic angezogen Lust auf Allgemeinbildung und modernes Theater haben.
Vorstellungen: 28.-30. Oktober; 4.-6. und 9.-13. November. Immer um 19:30 Uhr im Großen Haus. Tickets kosten für Studierende ab 8,50 Euro im Vorverkauf oder 7,50 Euro im Restkartenverkauf 10 Minuten vor Beginn der Aufführung.
Fotos: E.T.A.-Hoffmann Theater Bamberg




Maximiliane Hanft und Hannah Illing
23. Oktober 2011
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