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Tot oder lebendig?
von Rebecca Wiltsch | Donnerstag, 10. Dezember 2009

Foto: Tosten StrelleZu seinem 250. Jubiläum gastierte Friedrich Schiller, vertreten durch Schauspieler Felix Pielmeier, in der Villa Concordia.

Poetry Slammer Michael Jakob lieferte sich mit ihm ein Wortgefecht der besonderen Art.

 

"Ehrlich gesagt bin ich heute sehr nervös, ich stand noch nie im direkten Vergleich zu Friedrich Schiller!" Einige Zuschauer im Publikum schenken dem amtierenden fränkischen Meister im Poetry Slam, Michael Jakob, nach diesem ehrlichen Geständnis ein ermutigendes Lächeln, bevor er mit dem Vortrag seines ersten Textes beginnt.

Anders als bei den normalen Dichterwettkämpfen, bei denen mehrere Slammer gegeneinander antreten und eine zufällig gewählte Jury aus dem Publikum den Gewinner ermittelt, steht dem 31-Jährigen an diesem Tag nur einer gegenüber: Friedrich Schiller, gespielt und gesprochen von Felix Pielmeier. Der Schauspieler des E.T.A.-Hoffmann-Theaters, gab sich die Ehre, um seine Dramen und Balladen wieder aufleben zu lassen.

Anlass für dieses ungewöhnliche Zusammentreffen im Künstlerhaus Villa Concordia war das Erscheinen der neuen Ausgabe des "Rezensöhnchens", der Zeitschrift für Literaturkritik von Bamberger Studierenden. Wie in den vergangenen Semestern wurde das Heft im Rahmen einer Lesung vorgestellt.

Das Konzept, Texte eines lebendigen und eines toten Dichters gegenüber zu stellen, war für die Kritiker allerdings ein Neues. "Unsere Grundidee für die Veranstaltung war ein Poetry Slam", erklärt Organisatorin Daniela Roth. "Da wir neben unserem Schwerpunkt 'Krisenzeiten' in der neuen Ausgabe den Fokus auch auf Schiller richten, wollten wir das Ganze kombinieren." 

Kraft durch Naivität

Foto: Torsten StrelleDie so genannten "Dead or alive"-Slams gewinnen bundesweit immer mehr an Beliebtheit. Auch in Bamberg kommt die Verantsaltung bei den Besuchern gut an. Wortgewaltige Monologe bekannter Figuren aus Maria Stuart, Kabale und Liebe oder Die Räuber alternierten mit der Wortgewandtheit tragischer Helden des Alltags. "Das war einfach mal was ganz anderes. Ich mag Schiller sehr gerne, deswegen war es toll, die Texte so lebendig zu erleben", resümiert die 23-jährige Zuschauerin Sonja Endreß.

Worin liegt nun im direkten Vergleich der Hauptunterschied zwischen der alten und neuen Poesie? Schiller-Sprecher Felix versucht sich an einem Erklärungsansatz: "Das Neue lebt von seiner Naivität, daraus nimmt sie die Kraft. Das Alte ist einfach schon einige Jahrhunderte gegoren."

Dabei seien laut Slam-Meister Michael nicht die Themen das Entscheidende. "Um Liebe, Krieg und Tod wird es auch in den nächsten 250 Jahren noch gehen", ist er sich sicher. "Heute ist der Inhalt einfach wichtiger als die Form. So viel Mühe wie die alten Meister gibt sich heute kaum noch jemand, Direktheit kommt einfach besser an."

Ob früher alles besser war oder frischer Wind wohltuender für das künstlerische Gemüt ist, wollte an diesem Abend niemand entscheiden, auch nicht der 23-jährige Tobias Illing: "Die Kombination aus beidem, alt und neu, hat überzeugt. Es waren glänzende Auftritte!"

 

 

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Zuletzt geändert: Mittwoch, 10. Februar 2010
 
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