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Lampenfieber mal anders


Was macht die Theatergruppe e.g.o.n. eigentlich so unabdingbar für das kulturelle Studentenleben Bambergs? Dieser Frage wollte ich nachgehen – Bühne frei für einen eindrucksvollen Abend!

Da ist immer etwas zu hören, wenn das Ottfried-Team montags über dem Cafébetrieb des Immerhins zusammenkommt. Die dumpfen Stampfgeräusche auf den Beat von Jackos Thriller kommen von nebenan, wo die studentische Theatergruppe, die „Es Geht Ohne Namen“, kurz e.g.o.n., fleißig für ihren Auftritt übt. Das macht einen neugierig genug, herauszufinden, was die trauten Nachbarn genau treiben. Deshalb auf zur Vorstellung von „Frankensteins Kinder“.

Wer sich zunächst geärgert hat, eine halbe Stunde draußen in der Kälte auf den Einlass zu warten, freut sich keine 15 Minuten später umso mehr über seine Pünktlichkeit, da alle Spätankömmlinge enttäuscht nach Hause geschickt werden müssen. Das Immerhin ist kurz vorm Bersten.

Es riecht nach Faschingsschminke. In jeder freien Ecke rasen verkleidete Akteure und Mitglieder, die hinter den Kulissen aktiv sind, hin und her. Die Zuschauer lassen sich von der Hektik anstecken, es geht nochmal zackig an die Bar. Das Bühnenbild zieht sich über zwei Seiten des Raumes.

Wir haben halb acht, die ersten Säfte sind schon ausgetrunken und alle freuen sich, dass Leben ins leere Bühnenbild tritt. Leider keine erfreulichen Nachrichten: Viele Schauspieler sind erkältet und können deshalb nicht auftreten, beziehungsweise wird um unser Verständnis gebeten, falls es zu Verzögerungen aufgrund von Textschwierigkeiten kommen sollte. Doch das ist kein Ding, wir brennen nur darauf zu erfahren, wie David Carlin’s Stück von den elf Akteuren in 27 Rollen umgesetzt wird.

Frankensteins Kinder, geschrieben von David Carlin und in der Regie von Judith A. Müller geleitet, spielt im England des 19. Jahrhunderts. Elizabeth Hare, frisch verwitwete Bürgerin der niederen Schicht, muss lernen, dass Geld in dieser Welt alles ist und dass es sich für jung und alt, krank und gesund lohnt, dafür wortwörtlich über Leichen zu gehen. So verliert sie im Laufe des Stückes immer mehr Skrupel und steigt gemeinsam mit ihrem Sohn William in das unmoralische Geschäft des Leichenhandels an forschungsbesessene Ärzte ein.

Von der Umsetzung des Stückes an sich möchte ich nicht zu viel verraten, doch eines sei gesagt: Es gibt viele korrupte Arme, wissenschaftsgeile Ärzte und viele kreative Einlagen für Ohren und Augen. Dass bei diesem Werk Amateure am Werk waren, mag man nicht glauben. Selbst die erkälteten Schauspieler, die vor dem Auftritt beinahe ohnmächtig geworden wären, spielen ihre Rollen fehlerfrei.

„Es Geht Ohne Namen“? Scheinbar, aber die jungen Akteure kriegen es dennoch hin, sich einen zu machen.

Nach zehn. Wir schlendern weg vom Trubel im Immerhin und kriegen den Ohrwurm vom Abschiedslied nicht mehr aus dem Kopf. Einen schönen Abend für umme gibt es selten, aber in Bamberg ist nichts unmöglich. Meine Kommilitonin Anna schafft es, meine Meinung in wenigen Worten zusammenzufassen: „Perfecto! War echt saugut.“

 

Weitere Aufführungen von „Frankensteins Kinder“ im JuZ am Margaretendamm, noch jeweils um 19.30 Uhr am Donnerstag, 15. Dezember und am Freitag, 16. Dezember. Der Eintritt ist frei.





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