Betreutes Lachen
Ausnahmsweise kann man es in Bamberg empfehlen, zum Lachen in den Keller zu gehen. In den Jazzkeller zur Comedy Lounge. Wer am vergangenen Donnerstag nicht im dabei war, kann hier nochmal die Highlights der drei Lounge-Künstler nachlachen. Drei Häppchen betreutes Lachen mit Ottfried.
Der nachdenkliche Comedian Bei der Demonstrationen gegen Stuttgart 21 gibt es immer einen als Bühne umfunktionierten Anhänger. Gymmick aus Nürnberg hat dort hoffentlich schon gesungen. Das wäre auf jeden Fall genau sein Metier. Er erzählt, wie ihn einmal die Polizei verprügelt hat. In seinem passenden Lied zum Vorfall fordert er dann: “Macht euch doch bitteschön Nummern oben dran.” In Zukunft würde er die Polizei ja auch gerne anzeigen können. Die Lounge beginnt ungewohnt sozialkritisch.
Das bleibt mit Gymmick auch so. Er singt von autonomen Nonnen in der Antiva-tikan-Bewegung und davon, dass er Punks engagieren will. Später gähnt er mit dem Publikum ein Lied und berichtet, er habe Kurt Cobain schon Müll raustragen gesehen. Und er singt ein Lied, dass er zu einem Sampler für die Obdachlosenhilfe beigesteuert hat: “Wenn du schön wohnst, dann wohn schön für mich mit.” Wer das Bild anklickt, kann den Gymmick-Song nochmal nachhören:
Der Zotenkönig aus dem Pott Das Gangstertum ist dieser Tage eine immer bedeutender werdende kulturelle Ausdrucksform, das wissen wir nicht erst seit Money Boy. Matthias Reuter kennt sich mit dem Gangsterdasein bestens aus. Nicht nur, dass er als Halbstarker selbst am liebsten die ganze Nacht mafiös Poker gespielt hat und am nächsten Morgen das seltene Kunststück vollbracht hat, die Zeugen Jehovas ein für alle Mal zu vertreiben. Außerdem war er in der D-Jugend der Blues Brothers. Matthias Reuter kann auch hinreißend komisch über den “Selbstpräsentationszwang” von Gangtern, Gangstas und Ganstaz dozieren. Vom Rap als gansterische Ausdrucksform rät er aber ab. Al Capone, Kater Karlo oder Darth Vader haben ja auch nicht gerappt. Das lenkt nämlich nur von der eigenen Intelligenz ab.
Al Capone, Kater Karlo oder Darth Vader haben ja auch nicht gerappt. Zumindest Matthias Reuter scheint sich ein wenig Intelligenz erhalten zu haben. Damit erzählt er die wildesten Zoten und die “schönsten Geschichte der Welt”. Warum sein aktuelles Programm den Namen “Ein Huhn mit Schnee füllen” trägt, klärt er zwar nicht auf. Dafür lernt das Publikum andere wichtige Lektionen, wie die hier: “Kindergeburtstag ist ja auch nur ein Erwachsenenfest.” Wer nicht dabei war, muss zum Nachlachen mit dem Vorlieb nehmen, was es bei Youtube gibt. Einfach das Bild anklicken.
Der virtuose Neo-ClownSchön an der Comedy Lounge sind ja oft nicht nur die Künstler. Manchmal würde es schon reichen, den eigenen Sitznachbarn beim Lachen zuzusehen. Man kennt das ja: kichern, prusten, grölen, Bauchschmerzen, schreien, sich auf dem Boden wälzen. Jochen Falck hat aus den Lounge-Besuchern alles heraus geholt, was die Bamberger an Lach-Interpretationen zu bieten haben: Grimassen, Schnappatmung, röhren. Betreutes Lachen nennt Jochen Falck das, was er da mit dem Publikum veranstaltet.
So graziös ist noch nie eine Klarinette zum Mond geflogen.Falck ist eine Art alleskönnender Clown der Neuzeit. Nur anständig anziehen kann er sich nicht. Zum grünen Hemd hat er sich einen rot-schwarzen Topflappen als Krawatte umgebunden. Aber sonst kann er alles, was die Zuschauer 5 Minuten vorher noch völlig abwegig gefunden hätten. Er spielt Flöte mit seinem Ohr, jongliert mit einem Notenständer während er auf seiner Klarinette die Stimme des Fisches aus Peter und der Wolf spielt und startet danach eine Raumfahrt-Mission. So graziös ist noch nie eine Klarinette zum Mond geflogen. Durch sein eigenes Programm führt er wie der Moderator einer Senioren-Verkaufs-Busreise.
“Es gibt Städte, da gehen die Leute wirklich zu Lachen in den Keller”, sagt Jochen Falck zu den Bambergern. Sollte man im Jazzkeller öfter machen. Zum mitgenießen, die Fakirshow von Jochen Falck (Bild anklicken für das Video):


