von Mechthild Fischer | Samstag, 16. Mai 2009
Baby on the rocks ist nur den Menschen ein unbekannter Begriff, die am Donnerstag nicht den Weg in die Comedy Lounge gefunden haben.
Doch trotz des Konkurrenzprogrammes von „Germany´s next topmodel“ strömten viele wissenshungrige Menschen in den Jazzkeller.
Durch das Programm führten wie immer Sellarie, die zu Beginn Bambergs studentisch-politische Kultur recht treffend beschrieben: „Am Mittwoch war wieder mal a Demo – süß!“ Da die nächste Comedy Lounge erst nach der Bundestagswahl stattfinden wird, ging es auch politisch weiter: Mit Fußballgesängen durfte das Publikum politische Schlachtrufe zum Besten geben. Das tat es mit sichtlicher Freude: „Wir zieh´n der Angie den Hosenanzug aus!“ oder „Ihr seid Sozis. Asoziale Sozis. Ihr schlaft unter Brücken oder in der Bahnhofsmission!“ Sogar neue politische Erkenntnisse wurden gewonnen: Frage: „Wer ist denn eigtl. Chef in der Koalition?“ – Einwurf aus dem Publikum: „Der Glos!“
„Hübsche Beine. Wann haben die auf?“
In derart gehobener Stimmung wurde der erste, Comedyloungegängern bereits bekannte Gast begrüßt, Andy Sauerwein aus Würzburg. Der machte das, was er am besten kann: Freche Texte zu gekonntem Klavierspiel vortragen. Unbedingt sehenswert war der „Liebeslied-Blick in G-Dur“. Für das tägliche Leben gab es von Sauerwein kreative Anmachsprüche, die den Praxistest aber wohl noch nicht bestanden haben: „Du bist die süßeste Frucht, seit es Nutella gibt!“ oder „Hübsche Beine. Wann haben die auf?“ Der Generation Praktikum bzw. der Generation „ich graduiere während der Krise“ rät Sauerwein hingegen, auf Indianer umzuschulen, um panflötespielend durch die Innenstädte zu ziehen. Was war jetzt "Baby on the rocks"? Der zweite Gast des Abends, Axel Pätz aus Hamburg, erschien in seinem Anzug zunächst als distinguierter Herr. Doch sobald dieser Herr anfing, Klavier zu spielen, war klar: Er ist ein Entertainer mit Leib und Seele, der alles gibt, um das Publikum zu unterhalten, ohne Rücksicht auf Verluste.
Durch hervorragende Gestik und Mimik, das ausdrucksstarke Gesicht und seine stimmlichen und klavierspielerischen Fähigkeiten unterstützt trug Pätz pointen- und einfallsreiche Lieder vor: Von den Leiden eines Mannes, der insgeheim Bayern Fan ist oder über den Vorgang der Geburt. Als mutig, was seine Themenwahl angeht, erwies sich der Gast aus Hamburg in seinem nächsten Lied, das in erster Linie von Babymord handelt: „Hamma noch`n Baby im Gefrierschrank“ oder eben besagte „Baby on the rocks“? Wieder was gelernt
Das Publikum weiß hier nicht recht, ob es lachen soll oder nicht. Trotzdem erhält Axel Pätz mehr Applaus als Andy Sauerwein – wohl weil er ungewöhnlichere und frechere Comedy macht. Fazit: Es gab wie immer viel zu lernen, noch mehr zu lachen und viel Applaus für alle Künstler. Zuletzt geändert: Mittwoch, 27. Mai 2009 |