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„Wir sind ein Team“


Anfang Mai bringt die Bamberger Laientheatergruppe Blauer Apfel ihr nächstes Stück auf die Bühne, einen Western mit dem Titel Bring your own gun. Ottfried hat sie beim Proben begleitet.

„Verdammt, wo bleibt eigentlich Betty?“, schreit Thea und wirft ihre blonden Locken zurück. Zwei Frauen sitzen in der Mitte eines kleinen Raumes im Pfarrheim St. Heinrich an einem Holztisch. Um sie herum herrscht konzentrierte Stille. Thea trägt ihre Alltagsklamotten, einen olivgrünen Rock, über ihren Sneakers graue Stulpen und einen lila Schal – ganz und gar nicht westerntypisch. Bis zur Aufführung sollen die Kostüme des Western schließlich geheim bleiben.

Jule, Nanni und Thea beim Proben

Jule, Nanni und Thea beim Proben

Die Proben finden in einem Gruppenraum für Ministranten statt. An der Wand stapeln sich Kästen mit Bastelzubehör, auf Tischen stehen Heißklebepistolen. Daneben hängt ein großes Plakat: „Die Minis von St. Heinrich“. Ein ganzes Heer von Pokalen halten auf einem Regal die Stellung, auf einem steht:  „2. Platz Mini-Olympiade“. „Ihr könnt euch neben die Müllsäcke setzen.“, schlägt Thea vor.

 

Von einem beigen Plüschsofa aus wird die Szene von Christian Firsching, dem Regisseur des Stücks, mit zusammengezogenen Brauen beäugt. „Thea, du bekommst von mir die Aufgabe, dreimal ‚so‘ zu machen.“, sagt er und schiebt ein Glas über den Tisch, indem er es von der linken zur rechten Hand hin und her bewegt. „Und dann rück einmal mit dem Stuhl hin und her.“ Er hat Autorität. Und Thea macht, was er sagt. Wenn er redet, herrscht Stille im Raum. Christian trägt seine langen glatten Haare in einem Pferdeschwanz, dazu Jeans und Turnschuhe. Es ist auffallend, wie oft er seine Hände benutzt, um das Gesagte zu unterstreichen. Beim Reden und Zuhören ist sein Blick stets ernsthaft. Christian will, dass die schroffe Atmosphäre des Stücks besser übermittelt wird: Immerhin spielen sie hier einen Western. Die Idee ist es, jeden Stereotyp und das klassische Setting des Genres abzudecken – Schwingtüren, Saloon, Pistolen und Cowboyhüte. Noch finden die Proben aber ohne Bühnenbild und Kostüme statt.

Alle rufen durcheinander, berichtigen sich gegenseitig, brechen plötzlich in lautes Gelächter aus. Thea Ottinger spielt eine Bankräuberin namens Stella Graham. In der Szene plant sie mit ihren Komplizinnen, Annie Dunn und Betty Knight, den Überfall auf eine Bank irgendwo im Wilden Westen. Annie Dunn und Betty Knight heißen eigentlich Nanni Seckendorf und Jule Weidenmüller und sind wie alle Schauspieler der Theatergruppe ganz gewöhnliche Studenten. Schon seit Anfang 2005 gibt es den Blauen Apfel. Das erste Theaterstück, „Enthüllungen“, konnte allerdings erst eineinhalb Jahre später Premiere feiern, wie uns die Schauspieler später während eines Gesprächs erzählen. Dabei geht es lustig zu. Alle rufen durcheinander, berichtigen sich gegenseitig, brechen plötzlich in lautes Gelächter aus bei der Erinnerung an gemeinsame Erlebnisse. Wie in einer großen Familie.

Derzeit besteht der Blaue Apfel aus 16 Schauspielern, in der Szene, die heute geprobt wird, spielen aber nur drei davon mit. Warum die Gruppe Blauer Apfel heißt? „Das weiß keiner mehr“, sagt Christian, der Griechisch, Latein und Geschichte auf Lehramt studiert. „Es war ein Spontaneinfall“, fügt Jule, Archäologiestudentin, hinzu. Sie war schon ganz am Anfang mit dabei. Die Besonderheit der Laiengruppe ist, dass sie alles selbst macht. Vom Drehbuch bis zum Bühnenbild – das ist Tradition. „Schon das erste Stück wurde selbst geschrieben und dann ging das so weiter“, sagt Jule. Dieses Jahr hat Christian das Stück verfasst, zusammen mit seinem Kommilitonen Michael Degel. Angefangen haben sie schon im August. Während der Proben gab es aber oft noch Änderungen im Skript. „Schreiben ist immer auch so eine kleine Reise“, erklärt der Regisseur, „die Geschichte entwickelt sich Stück für Stück.“ „Ich manage das hier alles so ein bisschen“, meint er und fügt hinzu: „Uns ist wichtig, dass das Schauspielen Spaß macht.“ Es geht bei dem Western nicht um Sozialkritik, er soll unterhalten.

Die Drehbuchautoren Christian und Michael

Die Drehbuchautoren Christian und Michael

Auffällig ist, dass die Schauspieler hauptsächlich geisteswissenschaftliche Fächer studieren. Auf die Frage, ob denn etwa auch die BWLer zur Zielgruppe gehören, folgen leicht genervte Blicke. ‚Schon wieder dieses Schubladendenken‘, scheinen die zu sagen. „Ansprechen wollen wir jeden, der sich angesprochen fühlt“, sagt Christian diplomatisch. „Ja, wir flyern schon auch an der Feki“, ergänzt Thea, „aber ich glaube, dass die Feki-Studenten sich nicht so schnell angesprochen fühlen.“

Jetzt geht’s aber weiter mit Proben. Thea, Nanni und Jule wirken wegen ihrer angespannten Gesichtszüge nach wie vor konzentriert. Aber die Stimmung wird immer wieder aufgelockert. Urplötzlich: Lachen. Thea bricht mitten im Satz ab. „Scheiße“, sagt sie. Noch lauteres Gelächter. Für weitere Erheiterung sorgt während der Proben auch noch ein Improvisationsspiel der Gruppe. Dabei gelingt es den Schauspielern, etwa durch die Darstellung einer Schubkarre und eines Marienkäfers, die anderen in der Gruppe zum Lachen zu bringen. An Spaß darf es nie fehlen, dann wird aber wieder hart gearbeitet. Denn: „Richtig gut ist alles erst, wenn der Applaus losgeht.“

 

Bring your own gun – Infos zum Stück

Premiere: 5. Mai

Weitere Aufführungen: 6./8./10. Mai

Beginn: jeweils 19.30 Uhr

Ort: JUZ, Margaretendamm 12 a

Eintritt: 3 €

Dauer: ca. 1 ½ h, ohne Pause





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