Unsere Autorin schreibt in ihrer Kolumne über das, was sie in Bamberg erlebt. Zwischen 24 und 6 Uhr, in ihrem Job als Kellnerin, als Studentin und auf Parties. Diesmal: Treppen.
Mit freundlicher Unterstützung von Univox, dem Bamberger Uniradio kannst du diesen Text jetzt auch als Podcast anhören, gelesen von der Autorin.
Treppen sind hinterlistige Biester. Ihre Hauptaufgabe besteht, genau wie bei unangekündigten Tests damals in der Schule, darin, uns zum einen extrem lästig zu sein, und zum anderen, uns unsere Schwächen und Versäumnisse mal ordentlich unter die Nase zu reiben. Ganz im Ernst – Ich glaube nicht, dass Aufzüge aus Bequemlichkeitsgründen ihre Daseinsberechtigung haben, sondern sie wurden einzig und allein deshalb erfunden, weil sie, mal ganz abgesehen von ihrer sehr variablen Einsetzbarkeit, dem Wesen des Menschen viel zuträglicher sind. Eigentlich sollte jede Treppe mit einer Bedienungsanleitung ausgestattet sein.
Da gibt es zum Beispiel das Modell „Bitte runterfallen“, zu finden unter anderem im Bamberger Ludwig. Freunde – Wer hat sich denn dieses Ding ausgedacht? Schon nüchtern scheint diese Treppe, grade mit hohem Schuhwerk, ein unüberwindbares Hindernis. Ich war als Kind auf Abenteuerspielplätzen, auf denen die Rutschen eindeutig weniger steil waren, und die bezwingt man immerhin auf dem Hosenboden und nicht laufenderweise! Zusätzlich dazu, dass man das Gefühl hat am Rand eines Abgrunds zu stehen, ist dieses Meisterwerk der Baukunst auch noch recht breit und besteht aus unangenehm vielen Stufen. Die Breite der Treppe führt im Falle eines Sturzes dazu, dass man mit völliger Sicherheit die komplette Treppe runter segelt, da man selbst mit den kunstvollsten Plastikfingernägeln keinen Halt findet, und die Masse an Stufen sorgt in erster Linie für einen eindrucksvollen Auftritt der fallenden Person und am Ende für eine ganze Bandbreite an möglichen Verletzungen. Selbst gestandene Männer, kapitulieren vor diesem Monster und donnern völlig ungalant die vielen steilen Stufen hinunter. Im Gegensatz zu uns Mädels stehen sie aber im Normalfall am Ende der Treppe wieder auf und versuchen über Schmerz und Peinlichkeit mit einer Evel-Knievel-Vorstellung hinweg zu täuschen: „Ich bin ok, keine Sorge, Ich bin ok!“. Sicherheitshinweis: Wenn irgend möglich, betrinkt euch doch besser erst IM Ludwig. Der sicherste Weg diese Treppe zu bezwingen ist der, mit der Hand am Geländer, langsam nach unten zu steigen. Hoch kommt man das Ding selbstverständlich in jedem Zustand, auch krabbelnd, wenn es denn sein muss.
Besonders herrlich finde ich auch alle Altbau-Wendeltreppen. Die Stufen sind unterschiedlich hoch, oft mit verschiedenen Bodenbelägen ausgestattet und die Trittflächen haben die Form, von sehr fies aufgeteilten Stücken einer Torte: An der breitesten Stelle passt ein Fuß mit Schuhgröße 38 auf die Stufe, an der schmalsten kann man nicht mal mehr einen Fruchtzwerge- Becher abstellen. Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass ein Umzug in einem solchen Treppenhaus echte Iron-Man- Qualitäten von allen Umzugshelfern verlangt, birgt diese Treppe selbst bei guter Beleuchtung und im vollen Besitz der geistigen Kräfte ein unglaubliches Sicherheitsrisiko. Es reicht scheinbar ein einzelnes Sandkorn und die abgelaufenen Holzstufen werden glatt wie Schmierseife. Der Fall, der darauf folgt, ist genau so unerwartet und ungebremst wie die Charterfolge von Mark Medlock, der Schmerz der einen danach ereilt ist allerdings tatsächlich größer, als wenn man die Musik von Bohlen’s Ziehsohn hören muss. Der Weg aus dem zweiten Stock kann schon sehr weit sein – Schön wenn man so einige Sekunden sparen kann!
Im Allgemeinen und Speziellen sind diese Ausgeburten der Hölle, die der Volksmund völlig harmlos Treppen nennt, mit größter Vorsicht zu genießen. Sie sind hinterhältig, haben immer noch eine Überraschung in Petto (So wie im Mojow damals, als in der Mitte der Treppe jemand seinen Drink ausgekippt hatte, und es mich den Rest der Treppe publikumswirksam nach unten geschmissen hat. . .) und wollen nur eins: Uns quälen! Und allen die jetzt glauben, dass schlechte Erfahrungen mit Treppen auf eine grundsätzliche Tollpatschigkeit oder gar übermäßigen Alkoholkonsum zurück zu führen sind, sei folgendes gesagt: Es reichen ganze ZWEI Stufen, um sich den Mittelfußknochen zu brechen, und vier Wochen im zweiten Stock eines Altbauhauses gefangen zu sein!
Dieser Text ist der erste Teil der Kolumne „Bamberg nachts“. Den zweiten Teil findest du hier.
Dieser Beitrag ist Teil 1 von 3 in der Reihe Bamberg Nachts. Klicke auf die Links unter diesem Absatz um zu den anderen Beiträgen in dieser Reihe zu gelangen.
Ein Kommentar zu “2:26 Uhr: Unüberwindbare Hindernisse”
Werner schrieb vor 522 Tage
Wahre Worte! Man sollte Treppen wirklich verbieten oder große Warnschilder aufstellen – Achtung, gefährliche Treppe vorraus!
Die würde man im angeheiterten Zustand dann ja sogar doppelt sehen – perfekt!
Ein Kommentar zu “2:26 Uhr: Unüberwindbare Hindernisse”
Wahre Worte! Man sollte Treppen wirklich verbieten oder große Warnschilder aufstellen – Achtung, gefährliche Treppe vorraus!
Die würde man im angeheiterten Zustand dann ja sogar doppelt sehen – perfekt!