Echt für die Forelle

Dominik Schönleben war die Bamberger Landesgartenschau zu blumig, zu verregnet und zu teuer. In seiner Glosse erklärt er, warum sich ein Besuch nicht lohnt. Es sei dann, man atmet mit Kiemen – dann profitiert man vom millionenteueren Fischpass.

Ein Ereignis wie die Landesgartenschau lässt mich als stolzer Bayer an das Bild denken, dass die Bayernhymne in meinem Patrioten-Kopf hervorruft: „Er [Gott, Anm. d. Red. für nicht Bayern] behüte deine Fluren, schirme deiner Städte Bau und erhalte dir die Farben seines Himmels, weiß und blau!“ Dass dieses Versprechen in Zeiten des Klimawandels hinfällig geworden ist, zeigt die Landesgartenschau. Selbst im Technologiestandort Bayern scheint die Klima-Kontrolle kaputt zu sein, weshalb es diesen Samstag geregnet hat.

Das dieser Umstand die sowieso überflüssige Landesgartenschau noch schlechter gemacht hat, ist wenig verwunderlich. Ich hab es mir trotzdem angetan und diese Zurschaustellung von Steuergeldverschwendung besucht.

Eine Blumenbeet-Orgie

Wenn man die Tore dieser Gartenfetisch-Ausstellung durchschreitet, wird man als erstes heftig zur Kasse gebeten: 15 Euro für Normalsterbliche, elf Euro ermäßigt. Zur Gruppe der Ermäßigten gehören arme Studenten, Behinderte oder Menschen die das Arbeitslosengeld II beziehen. Rentner dürfen sich weniger glücklich schätzen, sonst würden aber auch 90% des Besuchervolumens vier Euro weniger zahlen. Da hat jemand aus der Controlling-Abteilung gut mitgedacht. Bei einer Veranstaltung die vor allem aus Steuergeldern zu Repräsentationszwecken von der Landesregierung veranstaltet wird, halte ich das für eine Zumutung.

Was sofort ins Auge fällt ist, dass die Zielgruppe dieser Blumenbeet-Orgie eindeutig Kinder und Forellen sind. Rechter Hand erhebt sich der erhabenste Rutschturm, den ich in meinem Leben gesehen hab. Zwischen Kletteranlagen, Reittieren und Schaukelanlagen sind unzählige purpurn blühende Tulpenfelder platziert worden und warten nur darauf von kleinen Kinderfüßen zertrampelt zu werden.

Den Forellen soll es gut gehen

Wie eilige das ganze zusammen gepfuscht wurde, sieht man an den noch nicht verwachsenen Grasnarben der künstlich verpflanzten Wiese. Die Blumenauswahl besteht nahezu ausschließlich aus Tulpen. Aber es gibt auch ein Beet aus blauen Plastik-Dekosteinen und ein paar Metallkugeln, unter denen ein Nebelwerfer versteckt wurde. Diese Art von Kunstwerk erwartet man eigentlich in einem post-modernen Museum. Die einzige Abwechslung von dieser einseitigen Landschaft bietet der Fischpass. Doch selbst der wird in Bamberg ungefähr so dringend benötigt, wie ein zweiter doppelter Abiturjahrgang.

Insgesamt kostete die Landesgartenschau 22,5 Million Euro. Wie viel Geld für die zahllosen Klettergerüste und Rutschen ausgegeben wurden, weiß ich nicht; aber 1,8 Millionen Euro wurden nur für das Wohlergehen von Forellen in die Strömung der Regnitz gekippt. Gleich links des Eingangs neben der ERBA-Brücke erstreckt sich der Fischpass. Er sieht so aus, als hätte eine wunderschöne Flussaue eine Liebesnacht mit einem Kinderspielplatz verbracht.

Bei Regen gefährlich

Dass es eine schlechte Idee ist, ein Balancierseil über einen Fluss zu spannen, weiß jede Mutter. Aber als Gestalter eines Landschaftsprojektes, hat man beim Bau wohl vor allem an Ästhetik und Innovation gedacht. Als ich diesen „wassernahen Spielplatz“ ausprobieren will, muss ich zuerst vom Regen glitschig gewordene Steine, von der Pressestelle auch „Trittsteine“ genannt, überqueren. Hinweisschilder darauf, dass man den Forellenpass „nur auf eigene Gefahr“ benutzten darf und er „bei Regen gefährlich ist“ vermisse ich. Wie kann man von mir, als jemand der die Natur nur aus dem Fernsehen kennt, erwarten, dass ich da selbst drauf kommen soll.

Gut, dass ich keine Kinder mitgebracht habe. Das hätte schlimm enden können. Froh darüber, nur mit dem Fuß ins Wasser gerutscht und nicht kopfüber in die Fluten gestürzt zu sein, fluche ich über den Architekten, der dieses „Renaturierungsprojekt“ geschaffen hat, das „die Regnitz für Fische wieder passierbar machen soll“. Selbst Fischen bleibt mehr von der Landesgartenschau als Studenten. Die besagten Fische entdeckte ich leider bei meinem Ausflug in den „von beiden Seiten als Naturraum erlebbaren“ Bereich selbst nach ausgiebigem Suchen nicht. Vielleicht bekommen die auch keinen ermäßigten Eintritt.

Facebook-Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>