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0:01 Uhr: Familienbande


Unsere Autorin schreibt in ihrer Kolumne über das, was sie in Bamberg erlebt. Zwischen 24 und 6 Uhr, in ihrem Job als Kellnerin, als Studentin und auf Parties. Diesmal: Von Mücken und Elefanten.

Man sagt ja immer so schön, Blut sei dicker als Wasser. Mag alles sein, aber warum ist es dann manchmal so schrecklich schwer? Sollten die Dinge nicht von Natur aus glimpflich verlaufen? Geprägt von Liebe, Verständnis und Respekt?

Man geht als Mensch einfach vollkommen selbstverständlich davon aus, dass Familie Familie ist und bleibt, in guten wie in schlechten Zeiten, aber dann überfällt einen so ein Moment, oder besser, so ein Gefühl, und ganz plötzlich ist man sich seiner Sache nicht mehr so sicher.

Ich weiß nicht, ob irgendjemand da draußen nachvollziehen kann, wie es sich anfühlt, wenn man nicht mehr weiß, ob man „so richtig dazugehört“. Ob man noch die Position innehat, von der man glaubte, sie niemals loswerden zu können, oder ob man einfach nur noch ein Spielball unberechenbarer Launen ist. Festzustellen bleibt, dass es sich alles andere als gut anfühlt, wenn es laut wird, völlig unvorbereitet, und man einfach nur noch schreiend davon laufen möchte – aus lauter Verzweiflung und Machtlosigkeit.

Keine Frage, ich liebe sie von ganzen Herzen – Es fällt mir nur wahnsinnig schwer, immer wieder Verständnis aufzubringen, geduldig zu sein, mich zu kontrollieren, nicht alles persönlich zu nehmen . . . Sollte sie doch die Erwachsene von uns beiden sein! Ich bin lächerliche 24  Jahre alt, nicht Fisch und nicht Fleisch, da ist es absolut zu viel verlangt, mir die Rolle der erwachsenen Frau zuzuschieben, ist sie mir doch 30 Jahre voraus.

Wenn aus jeder sprichwörtlichen Mücke gleich ein Elefant wird, jedes Wort zu viel sein kann und man an dem Ort, an dem man sich eigentlich geborgen und sicher fühlen sollte nur noch Topfschlagen im Minenfeld spielt – Wer zur Hölle bringt einem dann bei, wie man diese furchteinflößenden Explosionen verhindert? Ich verliere jedes Mal ein Stück von mir selbst, das selbst der beste Chirurg der Welt nicht wieder rekonstruieren könnte.

Oliven, die man angeblich absichtlich in den Salat getan hat, damit sie ihn nicht essen mag, weil sie die Dinger verabscheut. Eine gut gemeinter Rat, sich verletzte Hautstellen nicht noch mit Make up zu beschmieren, weil der Körper in Ruhe heilen will. Ein Gefühl der andauernden Konkurrenz, wo keine sein sollte und de facto auch keine stattfindet. Ich will das nicht!

24 Jahre lang hat sie mir alles gegeben, was ich zum Leben brauchte. Hat mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Sie weiß, wie man Rotweinflecken aus weißen Klamotten kriegt, unterstützt mich, trotz aller Lächerlichkeit, telefonisch, wenn ich es alleine nicht schaffe, eine Spinne mit dem Staubsauger einzusaugen und hört sich jede noch so doofe Männergeschichte an.

Liebelein, du bist mein Held und ich liebe dich von ganzem Herzen! Rede doch mit mir, wenn irgendetwas nicht stimmt, sage mir was dich stört und wir können das klären. Ich habe keine Zauberkräfte, die deine Sprachlosigkeit für mich in verständliche Worte umwandelt.

Dieser Beitrag ist Teil 4 von 3 in der Reihe Bamberg Nachts. Klicke auf die Links unter diesem Absatz um zu den anderen Beiträgen in dieser Reihe zu gelangen.
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  • Ein Kommentar zu “0:01 Uhr: Familienbande”

    1. Paul Karlus schrieb vor 200 Tage

      Bitte einfach mal über diesen Text nachdenken und vielleicht danach zur Normalität zurückfinden.Es wäre schön

      Wenn Du noch eine Mutter hast
      so danke Gott und sei zufrieden
      nicht allen auf dem Erdenrund
      ist dieses hohe Glück beschieden.
      Sie ist dein Sein, sie ist Dein Werden
      sie ist Dein allerhöchstes Gut
      sie ist Dein größter Schatz auf Erden
      der immer Dir nur Gutes tut.
      Sie hat von ersten Tage an
      für dich gelebt, in bangen Sorgen
      sie brachte abends dich zur Ruh
      und weckte küssend dich am Morgen.
      Und warst du krank, sie pflegte dich
      die dich in tiefem Schmerz geboren
      und gaben alle dich schon auf
      die Mutter gab dich nie verloren.
      Wenn Du noch eine Mutter hast
      dann sollst Du sie in Liebe pflegen
      daß sie dereinst ihr müdes Haupt
      in Frieden kann zur Ruhe legen.
      Und hast Du keine Mutter mehr
      und kannst du sie nicht mehr beglücken
      so kannst du doch ihr frühes Grab
      mit frischen Blumenkränzen schmücken.
      Ein Muttergrab, ein heilig Grab!
      Für Dich die ewig heil’ge Stelle!
      Oh, wende Dich an diesen Ort,
      wenn dich umtobt des Lebens Welle.

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