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Wenn man(n) plötzlich Vater wird
von Jana Wolf; Gesprochen von Jakob Schulz | Mittwoch, 9. Dezember 2009

Foto: Stephan ObelStudium und Kind – wirkt auf den ersten Blick schwer vereinbar. Auch auf den zweiten zeigt sich, wie gut man Studium und Privatleben organisieren muss.

Von verantwortungsbewussten Vätern, großen Problemen und nötiger Unterstützung.

 

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"Ein Kind kommt und ist dann da." Punkt. Mit einem so simplen Satz beschreibt Paul* die Geburt seiner Tochter. Es erweckt den Anschein, als hätte sich dadurch in seinem Leben nicht viel geändert. Doch seit Pauls Freundin vor neun Wochen ein Kind bekam, hat sich extrem viel getan. Die Veränderung ist so groß, dass sie vielleicht nur mit einfachen Worten begreifl ich zu machen ist.

Mit einem Mal stehen nicht mehr die eigenen Bedürfnisse und Interessen im Vordergrund. Das Studentenleben ist dem 25-jährigen wichtig. Abends mal auf eine WG-Party gehen – so einfach geht das jetzt nicht mehr. "Die Planung des Alltags richtet sich nur noch nach dem Kind", erzählt Paul. Seit seine Tochter da ist, teilt er sich mit seiner Freundin den gemeinsamen Tagesablauf systematisch ein. Vormittags kümmert er sich um die Kleine, während die Freundin arbeitet. Abends geht er zur Uni und sie betreut das Kind. Damit kann er Uni-Veranstaltungen nicht mehr beliebig wählen. Nun muss er seinen Stundenplan den väterlichen Pflichten anpassen.

Was kostet ein Kind?

Das alles steht Lukas* noch bevor. In gut zwei Monaten wird der 23-jährige Vater. Er steckt noch in der Vorbereitung auf das Eltern- Dasein, und die sieht ganz praktisch aus. Mit seiner schwangeren Freundin ist er in eine neue Wohnung gezogen, die zentraler liegt. Denn mit dem Kinderwagen wird es schwierig, weite Strecken zurückzulegen.

Auf Flohmärkten und Basaren legen sich die beiden die Erstausstattung für ihr Baby zu. Auch wenn Lukas versucht, möglichst günstig Kinderwagen, Wiege und Rassel zu besorgen, kommen mit einem Kind enorme Kosten auf die Eltern zu. Seit er weiß, dass er Vater wird, hat er sich zwei weitere Nebenjobs besorgt.

Staatliche Unterstützung gibt es in Form von Elterngeld. Studierenden wird der pauschale Mindestbetrag von 300 Euro pro Monat gewährt. Hinzu kommen 164 Euro Kindergeld. Papa Paul berichtet aus seiner Erfahrung, dass neben der Erstausstattung vor allem die Miete für eine größere Wohnung und die Kosten für Windeln und Babynahrung ins Gewicht fallen. Viele kleinere Beträge stellen in der Summe eine deutliche Belastung dar. Deshalb hat auch Paul sich einen Job gesucht, den er neben Studium und Erziehung des Kindes ausfüllen muss.

Familiengerechtes Studium?

Um jungen Eltern das Studium zu erleichtern, gelten an der Uni Bamberg für sie besondere Regelungen. So können die jungen Eltern sechs zusätzliche Urlaubssemester beantragen, die nicht als Fachsemester angerechnet werden. Während der Beurlaubung können Eltern Studienleistungen erbringen, was bei regulären Urlaubssemestern nicht möglich ist.

Einen entscheidenden Haken gibt es dabei: Ist man beurlaubt, bekommt man weder BAföG nochStudienkredite. Trotzdem hat sich Paul derzeit beurlauben lassen, um mehr Zeit für seine Tochter zu haben. Er kennt die Problematik aus eigener Erfahrung. "Es ist eine Unmöglichkeit. Wenn man von der finanziellen Unterstützung abhängig ist, lässt sich ein Urlaubssemester ohne BAföG oder Studienkredit nur schwer realisieren."

Dennoch gilt die Uni Bamberg als besonders familiengerecht. 2005 wurde sie zum ersten Mal als "Familienfreundliche Hochschule" ausgezeichnet, ein Zertifi kat der gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Eine eigene Projektgruppe soll sicherstellen, dass die Arbeits- und Studienbedingungen für Eltern an der Uni verbessert werden. Maria Steger, Vorsitzende der Projektgruppe, berichtet stolz, dass die Uni Bamberg 2008 erneut zertifiziert wurde. Stegers Arbeit trägt anscheinend Früchte.

Service für Eltern

Wie sehr ein eigenes Kind die studierenden Eltern beansprucht, weiß Steger auch von ihrer Arbeit im Eltern-Service-Büro. Zu ihr kommen fast täglich Studierende, die ein Kind erwarten oder bereits eines haben. Insgesamt 320 studierende Eltern gibt es in Bamberg, davon 72 Väter. Steger hilft bei der Beurlaubung, Finanzierung oder der weiteren Planung des Studiums.

Doch hat sie auch ein offenes Ohr für die persönlichen Anliegen der Studierenden, wenn es beispielsweise um eine unerwartete Schwangerschaft geht. Deshalb sieht sich Steger auch als moralische Stütze für junge Eltern an der Uni. Die täglichen Anfragen zeigen ihr, dass der Service für Eltern gut angenommen wird.

Nicht nur Elternpaare, auch viele Alleinerziehende studieren an der Uni Bamberg. Allesamt Frauen. Da liegt die Vermutung nahe, Väter würden sich ihrer erzieherischen Pflichten schneller entziehen als Mütter. Hier widerspricht Steger: "Zu meinen Beratungen kommen auch viele Väter, um sich zu informieren. Da hat sich viel getan. Ich beobachte immer stärkeres Vaterbewusstsein unter Studierenden."

Ein Bewusstsein dafür, was es bedeutet Vater zu werden oder zu sein, beweisen Lukas und Paul sehr wohl, indem sie ihre Lebensplanung nach ihren Kindern richten. Doch um den Spagat zwischen Studium und Erziehung zu bewältigen, darf man die eigenen Bedürfnisse nicht vergessen. Das weiß Paul bereits nach seinen ersten neun Wochen als Vater: "Man muss schauen, dass man selbst nicht zu kurz kommt. Auch wenn es nur eine halbe Stunde zwischendurch in der Badewanne ist."

* Name von der Redaktion geändert

 

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Zuletzt geändert: Sonntag, 7. Februar 2010
 
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