| Frauenhandel im Balthasar |
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von Nicole Flöper | Freitag, 19. Juni 2009
Ein Vortrag der Freien Uni Bamberg im Studentencafe Balthasar zeigte, wie es wirklich ist.
Donnerstagabend in Bamberg: Im Balthasar (dem neuen Studentencafe am Pfahlsplätzchen) haben sich über 20 Leute eingefunden, die sich einen Vortrag im Rahmen der Freien Uni Bamberg anhören wollen. Das Thema lautet "Frauenhandel – (auch) ohne Zwangsprostitution". Referentin ist Rebecca Fertl, Studentin der Pädagogik. Rebecca ist eine sichere Referentin, denn sie kennt sich mit dem Thema sehr gut aus. Aufgrund eines Praktikums bei der Wiener Organisation "LEFÖ- Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen", die eine Interventionsstelle für Betroffene des Frauenhandels (IFB) hat, begann sich Rebecca mit dem Thema auseinander zu setzen. Es war ihr wichtig, Informationen weiterzugeben, denn ein Spruch wie "Du studierst doch nicht BWL, warum beschäftigst du dich dann mit Frauenhandel?" ist ihr im Gedächtnis geblieben. Es gibt viele falsche Klischees
Ob eine Prostitution freiwillig oder aus Zwang entsteht, ist eine schwierige Frage und oft nicht feststellbar. Doch wenn es um Frauenhandel geht, dann gehört dazu auch die Zwangsheirat oder die Migration, die in einem illegalen Arbeitsverhältnis endet. Obwohl auch mit Männern gehandelt wird, sind 80 Prozent der Opfer Frauen und Kinder. Aus einem Bericht des Bundeskriminalamtes geht jedoch auch hervor, dass 16 Prozent der Täter weiblich sind und die Hälfte aller Täter Deutsche. Das heißt die Händler sind nicht unbedingt Männer und aus Osteuropa (Klischee Nummer Eins). Das zweite Klischee betrifft die Opfer, die immer weiblich sind und meistens zur Prostitution gezwungen werden. Es gibt aber auch Fälle, in denen Frauen auf anderen Arbeitsstellen ausgebeutet werden. Die Freier, die oft als die eigentlich Schuldigen beschimpft werden, gehören zum Klischee Nummer Drei. Denn Männer befreien Frauen auch aus der Zwangslage durch ihre Unterstützung und sind oftmals der einzige Kontakt zur "Außenwelt" im neuen Land. Einsatz der NGOs Ein Grenzübertritt erfolgt meist nicht illegal, sondern mit einem Touristen- oder anderem Visum. Doch jeder, der dann nach dem abgelaufenen Visum keine gültige Arbeitserlaubnis hat, hält sich illegal in Deutschland. auf. Das heißt: Frauen, die zur Prostitution gezwungen und aufgegriffen werden, müssen Deutschland verlassen. Auch wenn sie eigentlich die Opfer sind. Sie dürfen jedoch bleiben, wenn sie die Zwangsprostitution anzeigen und als Zeuginnen aussagen. Aber nur solange der Prozess andauert. Nichtregierungsorganisationen (NGOs) setzen sich daher gezielt für Migrantinnen ein, damit sie aus humanitären Gründen auch nach dem Prozess eine Aufenthaltsgenehmigung und eine Arbeitserlaubnis bekommen. Eine davon ist die KOK - Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Frauenhandel und Gewalt an Frauen im Migrationsprozess e.V. in Berlin . Dieser Verein sorgt für eine Vernetzung der deutschen Organisationen gegen Frauenhandel. Durch Menschenhandel kommt jährlich eine halbe Million Menschen von Ost- nach Mitteleuropa. Dabei erwirtschaften die Täter rund 35 Milliarden Dollar. WM 2006 sollte Zwangsprostitution ansteigen lassen
So sind auch im Falle der WM die Prognosen im Nachhinein bei Weitem nicht zugetroffen. Auch ist ihr wichtig, dass die Frauen oft nicht Opfer seien, sondern sich bewusst für eine Migration entschieden hätten und dann auch nicht als Opfer gesehen werden wollten. Dies sorgte für eine weitergehende Diskussion mit den Zuhörern und Zuhörerinnen des Vortrags. Zusätzliche Ausstellung im BalthasarDen Vortrag hat Rebecca zum ersten Mal gehalten. Dazu hat sie eine Ausstellung zum Thema Frauenhandel organisiert, die zum "Festival contre le racisme" gestartet ist und zwei Wochen im Balthasar zu sehen war. Die Ausstellung selber wurde von der KOK geliehen. Das Geld dafür stiftete der Fachschaftsrat, ein Teil kam auch nach Anfrage von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Bamberg, Gabriele Kepic. Leider besteht die Ausstellung aus zuviel Text und ist zu lang, um mal eben drüber zu schauen. "Die Texte sind inhaltlich super, aber die Aufmachung ist leider nicht so ansprechend", bemängelt Rebecca. Sie habe die Ausstellung vorher nicht sehen können, werde diese Kritik aber an die Organisation weitergeben. "Trotzdem finde ich es cool, dass es möglich ist, hier so eine Ausstellung zu machen", betont sie. Die Zuhörer lobten den Vortrag. Daniel (25): "Ich war beeindruckt und habe viel Neues erfahren."
Zuletzt geändert: Mittwoch, 8. Juli 2009 |
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