| Das Leben der Unerwünschten |
|
von Eugen Maier | Sonntag, 8. Juni 2008
Im Rahmen des festival contre le racisme sprach er über die Situation von Asylbewerbern und über die Rolle, die das Konzept des Nationalstaates bei dieser Misere einnimmt. Leben wie im Gefängnis"Es gibt zur Zeit 155 solcher Lager in Bayern" verrät Thal und beschreibt die dortigen Lebensbedingungen. Vier Leute müssten sich ein Zimmer von zehn bis fünfzehn Quadratmetern Fläche teilen. Im Sommer herrschten Temperaturen von bis zu 35 Grad Celsius, im Winter bittere Kälte. Monatlich 40 Euro Taschengeld und jeden dritten Monat ein Hygienepaket seien alles, was die Flüchtlinge neben rationierter Nahrung und Altkleidung bekämen. Eine geschlossene Gesellschaft
Die ersten beiden Punkte seien relativ leicht zu verstehen. Der Begriff Volk wäre jedoch niemals klar definiert worden. Dies stelle ein großes Problem dar, weil durch die Zugehörigkeit zu einem Volk sich auch der Genuss bürgerlicher Grundrechte ergebe. "Wer dazugehört, darf mitdiskutieren" lautet die Devise. Daher sei die Frage, wer zu einer Nation gehört und wer nicht, immer umstritten gewesen. Nation - Betreten verboten
Doch nicht nur der Deutsche Staat, auch die Europäische Union betreibe eine repressive Politik gegenüber Hilfesuchenden. Abschiebungen oder Militäreinsätze im Mittelmeer sind für Alexander Thal nur zwei von vielen Gesichtern der europäischen Abschottung. Der Staat greift zu VerzweiflungstatenAus der überstaatlichen Ebene ergibt sich für ihn außerdem eine gravierende Nebenwirkung. Immer mehr politische Entscheidungen würden durch internationale Organisationen getroffen werden, neben der EU beispielsweise durch die UNO oder WTO, wodurch die Macht der Nationalstaaten schrumpfe. "Die Staaten müssen nach Wegen suchen, eigene Souveränität zu demonstrieren", schlussfolgert der Referent. Da das Territorium und die Rechtsordnung relativ unantastbare Größen sind, wäre das Element Volk die einzige Möglichkeit, Exempel eigener Stärke zu statuieren.
Info: Bayerischer Flüchtlingsrat - Der Ansprechpartner für Flüchtlinge Der im Jahre 1986 gegründete Bayerische Flüchtlingsrat versucht, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Beratungen, rechtlicher Beistand und Öffentlichkeitsarbeit sollen die Situation von Flüchtlingen und Migranten verbessern. "Wir lehnen die Ausgrenzung und Isolation von Flüchtlingen durch die Unterbringung in Lagern ab und fordern gleiche Rechte für alle", lautet die Botschaft der Vereinigung.
Zuletzt geändert: Montag, 23. Juni 2008 |
| < Zurück | Weiter > |
|---|









