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Zu zweit schreiben

Zu zweit schreiben

Andreas Reuß ist nicht nur Gymnasiallehrer, er ist vor allem mit Leib und Seele Schriftsteller. Gemeinsam mit seinem Autorenkollegen Stephan Fröhling erforscht er Bamberg und Umgebung mit der Feder.

„Schreiben bedeutet für mich Selbstverwirklichung, die Möglichkeit, sich zu entfalten.“ Andreas Reuß erzählt lebhaft. In jedem seiner bedacht gewählten Sätze ist die Liebe zum Wort und zur Literatur spürbar. Gemeinsam mit dem Bamberger Stefan Fröhling arbeitet der 57-Järhige an den meisten Werken. Das Autorenduo schreibt vor allem Kulturführer und Kriminalromane. Für ihre Bücher, etwa den Kunst-Reiseführer „Franken“, machen sie sich seit Jahren auf die Suche nach verwunschenen Orten in der Region.

Andreas Reuß sieht das Forschen im Vorfeld des eigentlichen Schreibvorgangs als große Bereicherung. Die Landschaft vor der Haustür entdecken und versteckte Perlen anderen zugänglich machen ist das Ziel. „Lange vor dem medialen Echo um das Pilgern auf dem Jakobsweg haben wir 1990 als erstes Gemeinschaftsprojekt den Kunigundenweg beschrieben“, schmunzelt Reuß. In ihren Werken begeben sich die Bamberger auf die Spur geschichtsträchtiger Bauwerke, sprudelnden Quellen oder bedeutenden Persönlichkeiten und lassen historische Hintergründe mit sagenumwobenen Erzählungen verschmelzen. Dabei haben ihre Landschaftsbeschreibungen einen hohen literarischen und künstlerischen Anspruch.

 

So wird man nicht selbstgefällig

Wie das gemeinsame Schreiben funktioniert? Vor jedem Werk und während des Schreibprozesses diskutieren die beiden, tauschen sich rege aus, in persönlichen Gesprächen und per Mail. Das gemeinsame Korrigieren und Feilen an Passagen helfe zu verhindern, „dass man zu selbstgefällig wird“, sagt Reuß. Und: „Jeder hat seine Eigenheiten.“ Doch gerade das mache den Reiz der gemeinsamen Geschichten aus. „Unsere Bücher enthalten natürlich gewisse Brüche“. Um zu harte Übergänge zu vermeiden, gehe am Ende stets einer der beiden über das Geschriebene, um entsprechende Stellen etwas zu glätten und den Stil sanft anzugleichen. Geneigte, aufmerksame Leser könnten dennoch zuordnen, welcher Teil aus wessen Feder stamme, ist sich Reuß sicher.

Stefan Fröhling ist Diplomtheologe, arbeitet für den Bayerischen Rundfunk und als Korrektor. Andreas Reuß studierte Theologie und Germanistik auf Lehramt. Ihrem Interesse an der Religion ist es wohl geschuldet, dass sie sich in ihren Romanen moraltheologischen Themen nähern. So spielen ihre Krimis – ungewöhnlich für das Genre – im Kirchemilieu.

 

Bamberg als Gedankengebäude

Ihr erster Kriminalroman „Der zerrissene Rosenkranz“ habe gute Chancen, eventuell filmisch inszeniert zu werden. „Doch das kann dauern.“ Ob und wann das Projekt umgesetzt wird, ist fraglich. Auch sein politisches Interesse schlägt sich zwischen den Zeilen von Reuß nieder. Als Stadtrat setzt er sich für das Gemeinwohl primär für den Denkmal- und Naturschutz, ein. Nun plant Reuß eine philosophisch angehauchte Reflexion über die Stadt an sich und Bamberg speziell. Er wolle ein „Gedankengebäude“ erschaffen, Bauwerke wie den Dom unter geistigen und theologischen Aspekten beleuchten.

Nebenbei arbeitet Reuß derzeit an seiner Autobiographie. Vor allem in den Ferien findet er die Zeit dazu. „Aber eigentlich viel zu selten.“ Darum sehe er inzwischen „immer mehr den Vorteil des Älterwerdens.“ Schließlich möchte sich Reuß nach Abschluss seiner Lehrtätigkeit ganz auf seine Leidenschaft konzentrieren und seine Zeit voll und ganz dem Lesen und vor allem Schreiben widmen.

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