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Vorhang auf für die Gewinner des Gedichtwettbewerbs!

Vorhang auf für die Gewinner des Gedichtwettbewerbs!

Um die Kultur am Leben zu erhalten, haben wir einen Gedichtwettbewerb zum Thema “suchen” ins Leben gerufen. Dabei ist einiges an Poesie zusammen gekommen. Die besten Gedichte werden beim Kontakt-Festival in der Halle des Jugendzentrums am Margareten-damm am 24. Mai um 19 Uhr gelesen.

 

 

1. Platz: Max Franke

Aventîure. Wie ein Knappe auszog, das Herz der Königin zu suchen.

I.  Im Tausenddistelblütenland
nebst einem Fluss, der eiseskalt,
hoch auf dem Siebenwindeberg,
herrschte mit strenger, starker Hand
die Königin vom Seufzerwald,
ein ganz besond’res Gotteswerk.
So schön, so klug wie keine Frau,
die je gelebt auf Erden hier;
die Augen winterhimmelblau…
allein das Herz, das fehlte ihr.

II.  Ein Knappe fragte eines Tag’s
einen erfahr’nen Rittersmann,
ob sie schon ohne Herz gebor’n.
„Ich erinner’ mich, da du fragst“,
sprach der Ritter also dann,
„ich glaub’, sie hat es nur verlor’n.“
Das stimmte nun den Knappen trist.
„Deswegen lächelt sie wohl nie!
Ob sie ihr Herz denn nicht vermisst?
Ich zieh’ los und such es für sie!“
III.  So suchte er im Disteltal,
im Seufzerwald, in den Bergen,
an den Flussufern ab und auf;
er fand nur einen alten Gral,
den gab er großmütig den Zwergen,
die wiesen ihm den Weg darauf:
„Zwischen dem Tal, dem Berg, dem Fluss,
such nach einem kleinen Garten.
Dort gab man ihr den letzten Kuss,
ihr Herz wird darin noch warten.“

IV.  Rosenranken an die Tausend,
ihre Dornen trotzig gereckt,
von keiner Gärtnerhand gezähmt,
und in diesem Urwald hausend,
hinter’m trock’nen Brunnen versteckt,
kauerte das Herz ganz beschämt.
Es war nicht klein, doch übersäht
von Narben, Staub, dunklen Flecken.
Man hatte es wohl oft verschmäht
mit seinen Kanten und Ecken.
V.  Der Knappe brachte es zurück,
doch die Königin wurde bleich.
„Was soll ich denn mit dem Ding dort?
Es bringt mir zum Regier’n kein Glück
und meinen Werbern ist es gleich!“
Und aus dem Fenster warf sie’s fort.
Es stürzte in den Fluss hinab
und wurde fortgespült ins Meer.
Und wie ich es erfahren hab,
so suchte es niemand je mehr.

2. Platz: Christopher Lange

Licht

mein leben ist nicht mehr
als eine angebrochene geschichte
oder milchtüte die einer im kühlschrank
vergessen hat und dann mit schwerem rucksack
nach tadschikistan aufgebrochen ist
in die abenteuerlichkeit des pamir-gebirges
um seinen horizont expandieren
und seine deutsche seele baumeln zu lassen

und während der milchtütenbesitzer
sich in nachtgespräche in fremden sprachen
verwickelt die sterne studiert und wie verzaubert
von den exotischen speisen und der offenheit
des einheimischen volkes ganze romane
in sein tagebuch schreibt träumen die daheim
vergessene milch und mein am bordstein wartendes
leben von mehr licht an diesem kalten tag

 

3. Platz: Markus Klein

Suchbegriff

Mit dem Streben nach Glück
Die Unabhängigkeit erklärt
Stück um Stück
Doch stark verzerrt.

Eingeteilt: Anerkennung, Erfolg, Erleuchtung,
Freiheit, Geborgenheit, Liebe, Sicherheit

Hehre Begriffe
Schwer abstrakt
Auslaufende Schiffe
Segel verkappt

Such mir lieber eine Crew
Für unbekannte Gewässer.
Augen auf, Fernrohr zu
Stürmische See, besseres Wetter

Such jetzt und hier
Das nächste frische Bier
Den Song, der gestern lief
Die Frau, die bei mir schlief

Dauerhaftes Lebensglück?
Wird werden und verderben
Suchen berührt den Augenblick
Finden verführt zu Scherben

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