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Vollversammlung ohne uns

Vollversammlung ohne uns

Wieder einmal war es eher eine Leer- als eine Vollversammlung. Dessen ungeachtet bewies die Studierendenvertretung ihr Allround-Talent. Von Mensapreisen bis Prüfungsmodalitäten blieb kaum ein Thema unberührt.

„Die Werbung ist dieses Mal ein bisschen schief gelaufen“, gibt Archäologiestudentin Elke zu, die in der Vollversammlung das Hiwi-Referat des Fachschaftenrats vorstellt. Aber trotzdem. Es gab eine uniweite Rundmail, Mailerinnerungen über alle denkbaren Verteilerlisten und Dozenten kamen nicht umhin, auch noch einmal darauf hinzuweisen, wenn sie das Pech hatten zur falschen Zeit eine Lehrveranstaltung zu geben. An mangelnder Information kann es also eigentlich nicht liegen. Andererseits soll es ein paar Dozenten gegeben haben, die nicht mitbekamen hatten, dass am Dienstag in der Innenstadt von 12 bis 14 Uhr, an der Feki von 14 bis 16 Uhr und auf der Erba von 16 bis 18 Uhr alle Lehrveranstaltungen ausfielen. Darum fanden einige Seminare trotzdem statt. Fakultativ natürlich. Andere wurden vorübergehend in Sprechstunden umgewandelt. Schön, dass es an einer Universität so viel Kreativität gibt. Weniger schön, dass diese Kreativität zulasten der Studierenden und ihrer Vertretung geht.

Leerversammlung   „Voll“ sieht jedenfalls anders aus. Im Hörsaal 137 der Feki steht an der Wand „Studentische Vollversammlung“. Es ist 14.20 Uhr, als Jens Metzger von der Fachschaft SoWi die ungefähr 40 Studierenden begrüßt. Allerdings hat allein die Fakultät SoWi 5.300 Studierende. Wo sind die alle? In der Innenstadt zwei Stunden vorher sollen immerhin 60 da gewesen sein. Geht es uns einfach zu gut? Oder ist die Uni Bamberg dermaßen toll, dass  eine Studierendenvertretung ohnehin nichts Interessantes zu sagen hat? Naja, ganz so vielleicht nicht, aber was können die schon machen?


Wir können etwas ändern   Es muss ja nicht immer der Konfrontationskurs sein, macht Jens Metzger deutlich. So haben die Studierendenvertreter ganz friedlich ein paar Dinge geklärt, die das Unileben schöner machen: Es gibt definitiv keine allgemeine Anwesenheitspflicht, außer du spielst im Orchester oder musst Labor-Experimente machen. In der Prüfungszeit gibt es ab sofort mehr Arbeitsplätze an der Uni, nämlich den Raum WE 03.029 auf der Erba und die Seminarräume im dritten Stock der Feki. Es wird ein weiterer Bus zwischen Feki und Erba eingesetzt. Das Studentenwerk will jetzt darauf achten, dass es in den Mensen auch immer Gerichte unter 2 Euro gibt. Und die Prüfungsanmeldefristen rücken näher an die Prüfungstermine heran. Außerdem wurden sie verlängert: für die Anmeldung um eine und für die Abmeldung um drei Wochen. Diese Neuerungen wurden errungen durch hartnäckige Gespräche mit Unileitung, Verkehrsbetrieben, Studentenwerk und Mittelbau. Für dich und für uns alle. Mit freundlichen Grüßen, deine Studierendenvertretung.

Gesucht: Deine Stimme   Nach dem Willen der Studierendenvertreter soll das erst der Anfang sein. Dafür brauchen sie aber bei den Hochschulwahlen am 11. und 12. Juni Unterstützung. „Gebt euch selbst eine Stimme!“, lautet ihre Forderung. Nur eine hohe Wahlbeteiligung zeigt den Professoren und Uni-Mitarbeitern, dass die Studierenden hinter ihren Vertretern stehen, und nur dann werden die Studierenden, die sich in Fachschaft, Senat und Konvent engagieren, ernst genommen. Wenn du wissen willst, wen du da eigentlich wählen kannst, dann solltest du dir den 6. Juni vormerken. Da findet ab 20 Uhr im Raum U2/025 eine Podiumsdiskussion statt, bei der sich Kandidierende für Senat und Konvent vorstellen. Einen ersten Überblick der Kandidaten der Hochschulwahl 2013 haben wir hier zusammen gestellt.


In knapp 45 Minuten enthielt diese Vollversammlung mehr Informationen, als mancher Dozent in 90 Minuten Vorlesung unterbringt. Am Ende stand noch einmal der Appell, Probleme und Verbesserungsvorschläge auch wirklich an die Studierendenvertreter heranzutragen. „Wenn wir nicht wissen, was los ist, können wir auch nichts dagegen tun“, betont Jens Metzger. Irgendwie blöd, dass das jetzt kaum einer mitbekommen hat.

Die wichtigsten Fakten, die auf der Vollversammlung präsentiert wurden, findest du hier zum Nachlesen.

Fotos: Jenny Rademann

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